Berlin : Finanzsenator will nun doch mehr Geld für das Metropol

Thilo Sarrazin möchte Denkmalschutz aufheben, um höheren Preis erzielen zu können

Matthias Oloew

ALLES MUSS RAUS: WIE BERLIN SEINEN LANDESBESITZ LOSWERDEN WILL

Das neue Jahr eröffnet Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) mit einer weiteren Runde im Kampf um das Metropol-Theater an der Friedrichstraße. Im Ring steht diesmal Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD). Schiedsrichter soll der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sein, der beide Senatoren in den nächsten Tagen zum Dreier-Gespräch über die denkmalgeschützte Traditionsbühne bitten wird. Offiziell soll in der kommenden Woche alles besprochen werden, am Sitzungstisch des Senats. Bis dahin muss der Streit entschieden sein.

Wie am Rande der gestrigen Senatssitzung zu hören war, möchte Sarrazin die zur Unterschrift fertigen Verkaufsverträge zwischen dem Land Berlin und dem Bieterkonsortium um die Betreiber der Kultur-Halle Arena in Treptow wieder zu den Akten legen. Die darin vereinbarte Kaufsumme von einer Million Euro ist ihm zu gering. Vor dem Hintergrund der Klage Berlins gegen den Bund auf finanzielle Hilfe wegen der Haushaltsnotlage müsse die Stadt nachweisen, dass sie ihr Vermögen zum höchstmöglichen Preis verkaufe. Der Finanzsenator schlägt dem Vernehmen nach deshalb vor, den Denkmalschutz für das Metropol aufzuheben und das Grundstück zum größtmöglichen Preis zu verkaufen.

Damit stünden die Verkaufsverhandlungen wieder am Anfang. Im vergangenen Jahr hatten jedoch der Senat – sehr zum Missfallen von Sarrazin – beschlossen, dass die Bühne möglichst denkmalgerecht saniert und weiterhin als Kulturstätte genutzt werden sollte. Beides garantierten Falk Walter und seine Kompagnons von der Arena und erhielten schließlich den Zuschlag. Sarrazins neuen Anlauf, das Haus zum bestmöglichen Preis zu verkaufen, stellt sich zunächst Peter Strieder in den Weg und will die Entscheidung für oder gegen den Denkmalschutz nicht Sarrazin überlassen. Auf der gestrigen Senatssitzung stand das Metropol zunächst auf der Tagesordnung, verschwand dann aber wieder. Das Dreier-Gespräch soll nun Klärung bringen.

Vom Arena-Konsortium gibt es zunächst keine Stellungnahme. Das Metropol-Theater steht seit mehreren Jahren leer. 1990 setzte es der Senat auf die Abwicklungsliste, 1996 ging es an der Tenor René Kollo als Alleingesellschafter und Intendant. Ein Jahr später war das Metropol pleite, der Senat beantragte die Liquidation und schrieb das Haus zum Verkauf aus. Erster Interessent war der Musical-Konzern Stage-Holding, der jedoch, nachdem er bereits mit den Umbauarbeiten begonnen hatte, von seinem Rückgaberecht Gebrauch machte und stattdessen das Theater des Westens übernahm.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben