Berlin : Firmen legen Tabletten-Vorräte an

Berlin hat 245 000 Packungen Tamiflu – für Mediziner und Risikogruppen

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Berlin sieht sich gut auf einen potenziellen Ausbruch einer weltweiten von Mensch zu Mensch übertragbaren Vogelgrippe-Variante vorbereitet. Die staatlichen Vorräte an antiviralen Mitteln in der Stadt – rund 245 000 Packungen mit Tabletten beziehungsweise Wirkstoffpulver – seien so berechnet, dass sie für die Hälfte der Personen reichen, die in Kliniken, bei der Feuerwehr, Polizei oder auch bei der Energieversorgung arbeiten, sagt Roswitha Steinbrenner, Sprecherin der Gesundheitsverwaltung. Das sind rund 90 000 Menschen. „Und es wäre auch der schlimmste Fall, wenn 50 Prozent der Menschen erkrankten“, sagt Steinbrenner. Die übrigen 155 000 Therapiedosen sind für Personen bestimmt, die durch Vorerkrankungen so geschwächt sind, dass die Grippe für sie tödlich sein könnte. Noch aber gibt es keinen detaillierten Plan, wie man entscheidet, wer im Ernstfall etwas von den Vorräten bekommt. „Es ist genügend Zeit für eine sorgfältige Vorbereitung“, meint Steinbrenner. „Noch ist die Vogelgrippe eine Tierseuche.“

Einzelne Unternehmen haben in Berlin aber selbst schon eigene Arzneivorräte angelegt. So halten die Klinikkonzerne Charité und Vivantes kleinere Mengen vor. Der Energieversorger Vattenfall ist nach eigenen Angaben „gut vorbereitet“ auf den Pandemiefall. Ob das einen Vorrat an antiviralen Arzneien umfasst, will der Sprecher aber nicht sagen. Und der Pharmakonzern Schering hat eine Taskforce, die Pläne erarbeitet, wie man zum Beispiel die Mitarbeiter vor der Seuche schützen und auch die Produktion lebenswichtiger Arzneien aufrechterhalten kann. In Brandenburg trafen sich Ministerienvertreter jetzt zu Krisensitzungen.

In Berlin sammelten Feuerwehrleute gestern wieder rund 100 Vogelkadaver ein, darunter zwei tote Schwäne vom Gatower Hellebergeweg. Im Tierheim mehren sich Sprecher Marcel Gäding zufolge Anrufe besorgter Tierbesitzer.Viele fragen auch nach Risiken durch Krähen. Einige Rabenvögel seien nicht standorttreu und könnten das Virus deshalb in sich tragen, sagt Hafez Mohamed Hafez, Leiter des Instituts für Geflügelkrankheiten an der FU. Allerdings habe der Mensch keinen direkten Kontakt zu Krähen, da bestehe kein Risiko einer Ansteckung. Hafez: „Es gibt keinen Grund zur Panik.“ Es sei auch ungefährlich, Geflügel zu essen, wenn man es gare oder brate; zumal Nutzgeflügel hierzulande nicht infiziert sei.

Unterdessen wollen die Gesundheitsverwaltung und Friedrichshain-Kreuzberg wegen der gefälschten Warnbriefe am Kreuzberger Urbanhafen Strafanzeige gegen Unbekannt stellen. I.B./kög

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