Fischsterben in Berlin und Brandenburg : Mit dem Regen kam der Tod

In vielen Gewässern gab es ein großes Fischsterben. Besonders betroffen war ein See in Kleinmachnow. Die Kadaver stinken nunmehr zum Himmel.

Solveig Schuster
Angeschwemmt. Unzählige tote Fische stinken am Ufer des Machnower Sees vor sich hin.
Angeschwemmt. Unzählige tote Fische stinken am Ufer des Machnower Sees vor sich hin.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Ruhig schwappt das Wasser ans Ufer, wo es sich an einem langgezogenen silberfarbenen Teppich bricht. Unzählige tote Fische hat es ans Ufer des Machnower Sees getragen. In den Fischgeruch mischt sich übler Kadavergestank. Auch in Berlin wurden auf der Spree und dem Landwehrkanal verendete Tiere gesichtet.

Während der Senat stadtweit mehr als zwei Tonnen Kadaver entsorgen ließ, hat der Brandenburger Landesanglerverband allein 600 Kilogramm aus dem Machnower See geholt. Doch noch immer treiben unzählige Fische leblos im See. „Ein Vielfaches von dem, was wir geborgen haben, liegt noch dort“, sagte der Gewässerwart des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Wolfram Hahlweg. Er erfuhr vor wenigen Tagen vom Landesanglerverband vom Fischsterben. Am Wochenende sei er dann zum See gefahren. Gemeinsam mit vier weiteren Freiwilligen lud er 200- bis 300-Liter-Fässer auf einen Kahn, fuhr aufs Wasser, sammelte etliche Fische ein und brachte sie ans Ufer, wo bereits ein Auto mit Anhänger für den Abtransport bereit stand.

Mehr als 600 Kilogramm toter Fisch - alleine im Machnower See

Unklar blieb zunächst, wer die darüber hinaus noch im Wasser treibenden Tierkadaver aus dem See holt. Die Angler haben alles ihnen Mögliche getan, sagt Hahlweg. „Wir arbeiten ehrenamtlich, mehr geht nicht“, erklärte er. Auch Andreas Koppetzki, Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbandes, lehnte eine weitere Entsorgung der Fische ab. „Wir sind nicht zuständig“, sagte er. „Wenn wir sie rausholen, gehören sie uns, dann müssen wir auch die Entsorgungskosten tragen.“

Die Gemeinde Kleinmachnow versuchte in den vergangenen Tagen vergeblich, mit den beteiligten Behörden zu einer Lösung zu kommen. Weder das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt als Eigentümer der Bundeswasserstraße noch die Abfallbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark wollten bisher Verantwortung übernehmen, sagt Bellack. „Es gibt derzeit keine eindeutige Regelung.“ Bis endgültig geklärt ist, wer die Tiere zu bergen und letztlich auch die Kosten zu tragen hat, will die Gemeinde aber nicht warten. Gemeinsam mit dieser werden Mitarbeiter am heutigen Donnerstag die Fische aus dem See holen. Bis dahin werde auch der erforderliche Spezialcontainer geliefert.

Bereits Ende voriger Woche waren die ersten toten Tiere an Land gespült worden und hatten Spaziergänger aufgeschreckt. Auch Anwohner Uwe Falkenberg wurde Augenzeuge. „Fische, die noch lebten, schwammen an die Oberfläche und schnappten nach Sauerstoff“, erzählte er. Andere Spaziergänger wandten sich besorgt an die Gemeinde.

Ursache war der massive Regen

Grund für das massenhafte Fischsterben im Machnower See und anderen Gewässern seien die massiven Regenfälle der vergangenen Tage. Der Starkregen hat in den Gewässern einen akuten Sauerstoffmangel ausgelöst, erläuterte Landkreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. Durch die Regenfälle seien verstärkt Pflanzenreste und Biomasse ins Wasser gespült worden, hätten sich zersetzt und dabei das für die Tiere lebensnotwendige Sauerstoffangebot verknappt.

Normal liege der Sauerstoffgehalt in den Gewässern bei über 3,5 Milligramm pro Liter, sagt Andreas Koppetzki vom Landesanglerverband. „Im Machnower See waren es am Wochenende 0,01 Milligramm pro Liter.“ Solch ein Fischsterben komme aber immer mal wieder vor.

Doch lange war es nicht so schlimm wie in diesem Jahr. Experten sprechen von einem „50-jährlichen Ereignis“, sagt Stephan Natz, der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, die auch Betreiber des Stahnsdorfer Klärwerks sind. Die von Anglern und Anwohnern vielfach geäußerte Vermutung, dass die Kläranlagen den Wassermengen nicht standhielten und so organische Abwässer in die Flüsse gelangten, die dort den Sauerstoff verbrauchten, widerspricht Natz. Eine Mischwasserkanalisation, in die sowohl Schmutzwasser aus den Häusern als auch das Regenwasser fließe, gebe es nur in Berlin. Alle übrigen Gebiete verfügten über getrennte Kanäle oder Versickerungsanlagen. „Die Abwasserkanäle können bei Regen also nicht überlastet sein“, erklärte er.

Inzwischen normalisiere sich die Situation. In ein bis zwei Monaten werde sich auch der Fischbestand wieder aufbauen, sagte Gewässerwart Hahlweg. Allerdings gehe die Zahl der Fische in den hiesigen Gewässern insgesamt immer mehr zurück. Das liege an der – immer besseren Wasserqualität. Die hat zur Folge, dass die Nährstoffe für Pflanzen und Tiere schwinden. Auch stellte er fest, dass sich die Artenstruktur der Fische ändere. Seien etwa vor zwei Jahren noch viele Zander und auch Welse aus dem Machnower See gefischt worden, so habe es dieses Mal vor allem fremde Arten, wie Sonnenbarsche, ans Ufer gespült. „Manchmal ist solch ein Ereignis aber gar nicht schlecht“, sagt indes Anglerchef Andreas Koppetzki. „Es gibt wieder Platz für junge neue Fische, die oftmals auch gesünder sind.“

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