Fitness-Serie I : Ein Sportler mit Köpfchen

Angespannt, unausgeglichen, schlaflos, zu dick: Probleme der Generation Schreibtischtäter. Doch der Stress muss raus, der Speck soll weg. Personaltrainer Andreas Heumann macht Muskeln.

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Hantel hoch, Gewicht runter. Personaltrainer Andreas Heumann, 31, weiß, wie auch Einsteiger mit einfachen Übungen und ein wenig Ausdauer Speck ab- und Muskeln aufbauen. Auf dem beiliegenden Poster führt er es vor.
Hantel hoch, Gewicht runter. Personaltrainer Andreas Heumann, 31, weiß, wie auch Einsteiger mit einfachen Übungen und ein wenig...Foto: Mike Wolff

Vor Urzeiten war das so: Der Mensch, einer plötzlichen Gefahr ausgesetzt, reagierte mit Körperaktivität. Er flüchtete, lief und lief, und das half ihm, die plötzliche Anspannung abzubauen. Heute, in Zeiten der Schreibtischtäter und des Leistungsdrucks, schüttet der Organismus zwar Stresshormone aus, aber die Aktivität, die helfen könnte, sie abzubauen, fehlt meist. „Viel Verantwortung lastet auf unseren Schultern – und ,lastet’ ist wörtlich zu nehmen“, sagt Personaltrainer Andreas Heumann mit Überzeugung. „Aber das Potenzial dieser freigesetzten Stresshormone bleibt im Körper – und es frisst einen auf. Schlafstörungen, Unausgeglichenheit, Fettstoffwechselstörungen: alles eine Folge von mangelnder Bewegung."

Ach Gott, da gelobt man sofort Besserung, wenn so einer vor einem steht: durch und durch trainierte 89 Kilo auf 1,88 Meter. Ein 31-Jähriger mit Muskeln, aber nicht in erster Linie Muskelmann. Einer, der allenfalls ein Problem hat: Bei Konfektionsgröße 98/102 passt die Schulterbreite nicht mehr ins Sakko. Jetzt trägt er eben nur noch elastische Sportsachen. Mehr braucht Andreas Heumann auch nicht bei seinem optimalen Pensum: fünf Stunden Kundentraining pro Tag, sechs Tage die Woche. Und in seinen Urlauben findet vor allem eines statt: Bewegung.

„Ich mache Gesundheitssport“, sagt er. Sein Training ist ganz schön anstrengend, dafür aber effektiv. Große Intensität hilft, viel zu erreichen, ist sein Leitsatz. Seinen Klienten versucht er Folgendes beizubringen: Wer regelmäßig, also drei Mal die Woche eine Stunde eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining absolviert, schafft zweierlei: einen guten körperlichen Zustand und mehr Belastbarkeit im Arbeitsalltag. „Das Problem von zu wenig Bewegung ist auch, dass man eine zu große Distanz zu seinem Körper bekommt. Man setzt sich nicht mehr mit ihm auseinander“, sagt Heumann. Und das macht dick und träge. Da wäre es schon ein Anfang, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren: schneller laufen, stockwerkeweise Treppen steigen, mit dem Rad zur Arbeit fahren, mit den Kindern auf dem Spielplatz klettern üben.

Und mit Muskelaufbau- und Ausdauertraining beginnen. Das Ganze aber keinesfalls gegen den eigenen Biorythmus. Andreas Heumann etwa, nicht gerade ein Frühaufsteher, teilt seinen Tag in Aktivitätsphasen ein. Die erste Sportphase zwischen 12 und 15 Uhr, die zweite zwischen 20 und 23 Uhr. Dann macht Bewegung Spaß. „In diesen Zeiten kann man übrigens auch am besten lernen“ sagt er.

Für Kopfarbeit wollte er auch während seines Sportstudiums Zeit haben. Als zweites Fach nahm er Theologie dazu, Philosophie und alte Sprachen – Latein und Hebräisch. Ein „reines Interessenstudium“ und ein wenig familiäre Vorbelastung: Die Vorfahren väterlicherseits waren Theologen. „Ich kann das Alte Testament im Original lesen“, sagt er mit einem kleinen, überlegenen Lächeln.

Ein Sportler mit Köpfchen, einer, der immer schon Bewegung brauchte: als Kind zum Judo, als Jugendlicher fünf Mal die Woche zum Karatetraining, nebenher Mountainbike fahren, Krafttraining und schließlich Escrima, eine philippinische Kampfsportart. Als seine Lebensaufgabe formuliert er: „Ich versuche, den Ruhepol in mir zu finden.“ Das sollte für ihn zu schaffen sein.

Andreas Heumann, Tel. 0151-52 40 40 50. www.yourpersonaltrainer.de/andreas

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