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Fitness-Studio provoziert mit Plakaten : Aufregung um Kampagne am Alex

22.01.2013 15:57 Uhrvon
Gestörtes Gedenken. Aggressionen verharmlosende Werbung nahe dem Ort, an dem Johnny K. starb: Das erregt Kritik.Bild vergrößern
Gestörtes Gedenken. Aggressionen verharmlosende Werbung nahe dem Ort, an dem Johnny K. starb: Das erregt Kritik. - Foto: Wolff

Berlins Opferbeauftragter Roland Weber kritisiert das Unternehmen "Fitness First". Das Fitnessstudio am Alexanderplatz wirbt mit provokanten Plakaten wie "Mach Deine Freunde kalt". Nur etwa 100 Meter entfernt befindet sich das Mahnmal des verstorbenen Jonny K.

Eine Werbekampagne der Fitness-Kette „Fitness First“ ruft Berlins Opferbeauftragten Roland Weber auf den Plan. Das Unternehmen wirbt seit ein paar Tagen mit umstrittenen Slogans. „Mach Deine Freunde kalt“, „Tritt Deine Freunde“ und „Mach Deine Freundin runter“ steht auf den Plakaten vor und in den Berliner Filialen von Fitness First. Durch einen in winziger Schrift gesetzten Zusatz werden die Slogans ins Positive gewendet – auf den ersten Blick aber ist das nicht ersichtlich. Besonders pikant daran ist, dass sich ein Studio nur etwa 100 Meter vom Mahnmahl für den verstorbenen Jonny K. am Alexanderplatz befindet, wo immer noch Menschen trauern und Blumen ablegen.

„Solche Werbebotschaften sind nicht nur geschmacklos, sondern auch gewaltverharmlosend“, sagt Weber. Werbung solle auffallen, sie dürfe aber nicht in einer Form überziehen, die auf andere verletzend wirke. Hier verletze sie nicht nur die Angehörigen von Jonny K., sondern auch andere Berliner.

Jonny K. war am 14. Oktober 2012 nach einem Besuch des Clubs „Mio“ unter dem Fernsehturm von sechs jungen Männern zu Tode geprügelt worden. Im Obergeschoss des Gebäudes befindet sich das Fitness-Studio. Jonny K.’s Schwester Tina, die sich seit dem Tod ihres Bruder in der Stadt gegen Gewalt engagiert, ist entsetzt über die Werbung. „Ich finde sie respektlos“, sagt Tina K. „Ich kämpfe für das friedliche Miteinander und dann bekomme ich so einen Schlag ins Gesicht. Ich erwarte nicht, dass jeder mitleidet, aber für so etwas habe ich kein Verständnis.“

Eines der umstrittenen Plakate.Bild vergrößern
Eines der umstrittenen Plakate. - Foto: Wolff

Auch Artur Streit, der seit drei Jahren im Fitness-First-Studio am Alexanderplatz trainiert, war schockiert, als er die Werbung sah: „Im Moment mag ich da gar nicht mehr trainieren, weil ich das so respektlos finde“, sagt er. Vom Fitnessstudio heißt es dazu, man wolle mit der aktuellen Kampagne die Mitglieder ermuntern, Freunde für ein gemeinsames Training zu gewinnen, durchaus auch mit provokativen Plakatmotiven. „Selbstverständlich war es nie unsere Absicht, damit die Gefühle anderer Menschen zu verletzen“, sagt eine Sprecherin.

Im Fall Jonny K. sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Ob es noch in diesem Monat zu einer Anklage kommt, ist unklar, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Von den sechs Tatverdächtigen sitzen drei in Untersuchungshaft, einer wurde freigelassen, zwei Verdächtige sind noch auf der Flucht. Einer der beiden, Onur U., hat sich in die Türkei abgesetzt. Seine Ankündigung, sich den Vorwürfen in Deutschland stellen zu wollen, hat der 21-Jährige bisher nicht in die Tat umgesetzt. Der flüchtige Bilal K. soll sich in Griechenland aufhalten. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte: „Bezüglich der Kontakte in die Türkei haben wir alles getan, was wir tun konnten.“ Ebenso werde man – sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind – nicht erst warten, bis auch die Flüchtigen gefasst sind. Grund dafür ist der Beschleunigungsgrundsatz: Dieser besagt, dass Ermittlungen so schnell wie möglich zu Ende geführt werden sollen. Deswegen würden die bereits Gefassten gesondert angeklagt.

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