Berlin : Flanieren zwischen Mauer und Spree

Jetzt beginnen die Bauarbeiten für die Uferpromenade an der East Side Gallery

Lothar Heinke

Es umgab in den letzten Jahren, ja, Jahrzehnten, immer etwas Geheimnisvolles diesen Uferstreifen zwischen Spree und East Side Gallery, schräg gegenüber vom Ostbahnhof. Zu DDR-Zeiten war ja schon für einen Teil des Bürgersteigs „Betreten verboten!“, man durfte also nicht zu dicht an die nervtötend mausgraue Hinterland-Mauer, die nach dem 9. November 1989 von einer internationalen Künstlerschar im Sturm erobert und mit lustigen bunten Bildkommentaren zur neuen Lage der Nation überschüttet worden war. Wie es hinter dem Wall, dessen monströser Charakter auch nicht durch witzige Farblichkeit zu kaschieren war, aussah, ging anscheinend niemanden etwas an.

Gestern gab es einen Grund, hinter die Mauer zu blicken, und siehe: Wir haben nichts verpasst. Bäume, wild wachsendes Unkraut, eine üppige Vegetation zwischen Hügeln aus Schutt und Sand und der asphaltierte einstige Postenweg sind alles, was es hier zu sehen gibt, dazu ein Teil der jüngst versetzten Mauer. Und das alles am grünen Strand der Spree, wie der Dichter sagt, auf der Friedrichshainer Seite, drüben stehen die Speicher von Kreuzberg. Anlass der Maueröffnung für Neugierige war eine kleine Zeremonie, die man für diesen Teil der Stadt getrost historisch nennen möchte: Mit einem symbolischen ersten Spatenstich begannen die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, und ihr Stadtrats-Kollege von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz, den Bau für eine weitere innerstädtische Grünfläche, den Park an der East Side Gallery und die Uferpromenade an der Spree. „Zwischen Warschauer Straße und Ostbahnhof entsteht ein neues Stadtquartier mit der O2-Arena, der größten Mehrzweckhalle Berlins“, sagt die Senatorin. „Dieses wird durch den neuen Park und die Uferpromenade an der Galerie mit der Spree verknüpft.“

Schon 2003 hatte das Büro Häfner/Jimenez den ersten Preis im Architektenwettbewerb gewonnen, aber der künftige Park, sagt Franz Schulz, musste jahrelang regelrecht erkämpft werden, denn immer wieder sollte das Ufer mit exklusiven Stadtvillen zugebaut werden. „Mit Unterstützung der Investoren Anschutz und BSR konnte das Bezirksamt nach schwierigen, jahrelangen Verhandlungen die Grundstücke von den verschiedenen privaten Eigentümern für den Park ankaufen – für über zwei Millionen Euro.“

Die Entsorgung sämtlicher Keller wird noch ein Kapitel für sich, gleichwohl möchte man im Herbst 2007 fertig sein. Zwischen dem geplanten Kolpinghaus und dem Mühlenspeicher entsteht der Park auf zwei Ebenen: Oben ein Spazierweg immer an der Mauer lang, etwas tiefer, verbunden durch ein Rasenband, die Promenade am Ufer. Und gegenüber der Sport-Arena wird es zudem einen Schiffsanlegeplatz geben.

Die Anschutz-Gruppe stellt heute Abend um 19 Uhr im Postbahnhof am Ostbahnhof erstmals ihre Riesenrad-Pläne öffentlich vor. Das 175 Meter hohe Rad soll neben der O2-Arena errichtet werden.

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