Berlin : Flauschiges Fest

Im Job wird Susanne Eckl zu Rosa Tausendschön. Sie verschafft Blumen den großen Auftritt

Susanne Leimstoll

Sie stöckelt auf Stilettos über die Holzdielen. Die Hose, der Pulli mit dem weichen Wollkragen, das Halstuch, der Kurzhaarschopf mit dem kerzengerade nach oben gesprayten Pony – alles rabenschwarz. Am rechten Mittelfinger ein riesiger silberner Designerring, zwischen ihm und dem Zeigefinger qualmt die Zigarette. So sieht doch keine Floristin aus.

Susanne Eckl, die Frau, die Blumen so liebt, dass sie in ihren Arrangements jeder einzelnen einen Auftritt gönnt, ist, man könnte sagen, Gestalterin. Rosa Tausendschön heißt ihre Firma. Die Werkstatt mit dem riesigen Arbeitstisch in der Mitte steht in ihrer Wohnung. Und vom Samtsofa an der Stirnseite des Wohnzimmers aus kann jeder, der zu Besuch kommt, durch ein Gespinst von Vorhängen in ein winterweißes Schlafzimmer blicken: Bett, helle Metallspinde, verhüllte Ablagen. Hinter den transparenten Stoffbahnen, die zu Boden fließen, auf Tischskulpturen in Szene gesetzt, Natur: Zweige, Blumen – von allem nur ein wenig. „Es ist viel schwieriger zu reduzieren als immer noch eins draufzusetzen“, sagt Susanne Eckl. „Die Blume ist mein Material. Die Frage ist: Wie verarbeite ich es, damit es in seiner Schönheit zur Geltung kommt.“

Etwa so: An Kordeln schweben zwei silberne Holzscheiben von der Decke. Auf der größeren ruht ein Adventskranz, ganz aus Efeu, mit sandfarbenen Kerzen. Die kleinere Scheibe darunter hält acht Reagenzgläser mit weißen Christrosen. Und Zentimeter über dem Boden, am Ende der Kordeln, schwingt, als zentriertes Pendel, ein goldener Stern. Eine Konstruktion, kühn, poetisch und handfest zugleich. Susanne Eckl, die 32-jährige Floristin, die in Deutschlands größten und besten Blumenläden gearbeitet hat, ist auch Handwerkerin. Stammt aus einer Münchener Familie, in der gerne gebastelt wurde. Hat einen Schlosserkurs belegt und Silber geschmiedet. Als sie keine Lust mehr hatte, im Laden Sträuße zu binden, wollte sie auf die Hochschule, Industriedesign studieren. Das ging schief. Fünf Mal, immer in der letzten Runde der Aufnahmeprüfung. Danach hat sie trotzig angefangen, etwas Eigenes zu kreieren. Es entstanden Wachsschalen, perfekte, glatte Handschmeichler in Pastell, die jetzt auf einem Bord in der Werkstatt Weihnachtsdekoration ausstellen, von fedrigen Pflanzententakeln umfangene Engel, Puttenköpfe oder Perlen an goldenen Schnüren.

Susanne Eckls Kursangebot liest sich, als fülle es eine noble Speisekarte: Duftzäunchen vom Zimt – ein von wohlriechenden Palisaden umringter Kranz, der auf Miniäpfeln thront. Klassiker auf Goldspiegel – nicht nadelndes Tannengrün, verfeinert mit glänzenden Lorbeerblättern und Orangenscheiben. Christrosen im Kuschelbett – umgeben von flauschigen Koniferen, dazu graugrüne Olivenblätter, gespickt mit goldenen Perlen. Als Beilage wird Eukalyptus serviert. Rosa Tausendschön war hier. Sie wird gebucht für Feste, Hochzeiten, für Dauerdekorationen in Firmen und Restaurants.

Zu Weihnachten ist Pause. „Da fahre ich, voll bepackt mit Taschen und Kränzen und Blumen, zu meinen Eltern und dekoriere zwei Tage lang. Beinahe undenkbar, zum Fest nicht zu Hause zu sein.“ Wie der Christbaum bei Eckls aussehen wird? Sterne aus Holz und weißem Filz werden ihn bescheinen. Und an den Zweigen, in kleinen Gläschen, blühen die Christrosen.

SusanneEckl,Joachim-Friedrich-Str.41, Erstes Gartenhaus,Wilmersdorf, Telefon 0172-3231228.

Sie würden Susanne Eckls stimmungsvolle Tischdekoration gerne unter ihrer fachkundigen Anleitung nachmachen? Dann melden Sie sich einfach zu ihrem Workshop an.

Termin ist Freitag, 10. Dezember, 18-21 Uhr. Anmeldungen ab sofort unter der Mobiltelefon-Nummer 0172-3231228.

Hier findet der Kursus statt: Joachim-Friedrich-Str. 41, Wilmersdorf, 1. Gartenhaus.

Der Sonderpreis für Tagesspiegel-Leser beträgt 15 Euro inkl. Material (Zweige, Glaszylinder, Kerze, Draht, Schmuck etc.).

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