Berlin : Fledermausfreunde im Zwielicht

Neuer Vereinsvorstand wirft Gründer Kommerzialisierung vor

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Spandau. Um Fledermausfest und -führungen auf der Zitadelle ist ein heftiger Streit entbrannt. Der neue Vorstand des Vereins zum Schutz bedrohter Tierarten „Vespertilio“ wirft dem Gründer vor, unter Nutzung der Privilegien einer gemeinnützigen Organisation rein kommerziell zu arbeiten. Beim jüngsten Fledermausfest wurde Vereinsgründer Carsten Kallasch von der Polizei wegen Verstoßes gegen Artenschutzbestimmungen angezeigt. Der Biologe weist alle Vorwürfe zurück.

Vespertilio ist Vertragspartner des Bezirksamtes Spandau. Dem Verein wurde der Schauraum, in dem Vampire und Flughunde gezeigt werden, zu günstigen Bedingungen vermietet. Als Veranstalter der Führungen und jährlichen Feste fungiert aber Kallaschs „Arbeitsgemeinschaft Freilandbiologie“. Ein kommerzielles Unternehmen, mit dem er auch Forschungsaufträge und Gutachten ausführe. Auf der Zitadelle beschäftigt er nach eigenen Angaben seine Mutter und bis zu sieben weitere Teilzeitkräfte.

Sieben Euro kostet die Führung für Erwachsene, für Kinder 4,50 Euro. Der Verein zahle zwar die Miete für den Schauraum, sehe aber von den Einnahmen der Führungen keinen Cent, so der neue Vize-Vorsitzende Thomas Müller. Er zweifelt an der Darstellung von Kallasch, dass es sich dabei um ein „Zuschussgeschäft“ handelt. Denn, so Müller, bei der Tierversorgung würden Vereinsmitglieder helfen und das Fledermaus-Futter spende ein Supermarkt. Kallasch hält dagegen: Der Verein könne „keine kontinuierliche und qualitativ hochwertige Betreuung der Gäste gewährleisten“ und auch keine „Visionen“ für die Zitadelle entwickeln. Wegen der „notwendigen“ Kommerzialisierung habe er den Vorsitz vor Jahren abgegeben. „Ich bekomme den Gewinn, trage aber auch das Risiko.“ Der Verein dagegen partizipiere durch Spendeneinwerbung: Schließlich stehe im Schauraum ein Sparschwein.

Auch das Fledermausfest Anfang September, von Umweltministerium und Senat mit insgesamt rund 41 000 Euro bezuschusst, war laut Kallasch ein finanzieller Flop. Schuld sei unter anderem das polizeiliche Verbot der nächtlichen Diskothek „Tanz der Vampire“ in den Gemäuern der Bastion Königin gewesen, für die 800 Gäste je sechs Euro hätten zahlen sollen. Doch weil sich in den Party-Räumen auch Fledermäuse aufhielten, hatten die Beamten den Organisator angezeigt. Laut Kallasch war der Bereich zur uneingeschränkten Nutzung freigegeben.

Die Umweltverwaltung will nun die Nutzungsrichtlinien für die Zitadelle klarer definieren. Denn andere Veranstalter klagen, dass dort mit zweierlei Maß gemessen werde. Als Biologe dürfe er eben mehr als andere Nutzer, sagt Kallasch. 2001 hatte er vom Kulturamt genehmigte Filmarbeiten stoppen lassen, der Bezirk musste der Produktionsfirma 40 000 Euro Entschädigung zahlen.

Am morgigen Freitag soll die Mitgliederversammlung des Vereins über das weitere Vorgehen entscheiden. Ziel sei es, Führungen und Schauraum in eigene Regie zu übernehmen. Rainer W. During

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