Berlin : Fliegende Träume

Zwei Präsidenten und 600 Jugendliche feierten

Elisabeth Binder

Am Ende des Gartenfestes für 600 deutsche und israelische Jugendliche im Schloss Charlottenburg taten Horst Köhler und Moshe Katsav drei Dinge, die Staatsoberhäupter bei feierlichen Besuchen und Gedenktagen normalerweise schön bleiben lassen. Sie spielten, angefeuert von Mädchen und Jungen in Jeans und Kapuzenpullis, Basketball miteinander. Sie sangen zusammen mit der israelischen Starsängerin Liel auf der Bühne „We are the world“ und traten dabei, rhythmisch klatschend, fast ein bisschen wie Cheerleader auf. Und sie ließen dicke Sträuße mit blauen, weißen, schwarzen, roten und gelben Luftballons in den plötzlich wieder blauen Himmel steigen. Daran hingen, auf kleine Karten gemalt, Zukunftsträume der jungen Gäste. Zum Beispiel der: „Ich möchte alle Länder der Welt sehen“. Oder der: „Ich möchte, dass wir voneinander lernen, wie wichtig es ist, in Frieden zu leben.“ Oder der: „Dass wir uns immer respektieren und akzeptieren können.“

Im Schloss riecht es nach Kuchen und frischen Fruchtsäften, auf den Stehtischen stehen gläserne Vasen mit Gänseblümchen und deutschen und israelischen Papierfähnchen zwischen bunten Wiesenblumen. Maya, Mor und Adi sind zum ersten Mal nach Deutschland gekommen, fühlen sich „warm und mit offenen Armen empfangen“, finden alles „wirklich schön“. Die 15-Jährigen wollen unbedingt Klaus Meine, den Sänger der Scorpions finden, um Autogramme zu bekommen. Straßencafés lieben Jugendliche in allen Ländern, unter den hier aufgebauten ist besonders das Mediencafé mit den virtuellen Gästebüchern rasch belagert. Der 14-jährige Heiner aus Geldern freut sich darauf, endlich mal nach Israel zu fahren, sobald die Sicherheitsbedenken von Lehrern und Eltern ausgeräumt sind.

„Ihr habt die Aufgabe, das Böse zu verlassen und nur Gutes zu tun“, rief der israelische Präsident den Jugendlichen in seiner sehr gefühlvollen Eröffnungsansprache zu. „Wenn ich in die Gesichter dieser Jugendlichen sehe“, sagte er, „dann bin ich überzeugt, dass der Menschheit eine gute Zukunft bevorsteht.“ In einer Podiumsdiskussion stellten sich die Präsidenten den Fragen der Jugendlichen, die unter anderem wissen wollten, ob es endlich mehr Geld für Austauschprogramme gibt, wie sie die Neonazis sehen und was genau sich in den letzten 40 Jahren gewandelt habe zwischen den Ländern.

Ob er zufrieden sei? „Ich bin begeistert“, kommentierte der israelische Botschafter Shimon Stein das Fest. Für ihn stellte die junge deutsch-israelische Begegnung einen grundlegenden Paradigmenwandel von Alt auf Jung dar. Beide Präsidenten wünschten sich von den Jugendlichen, dass sie im Austausch miteinander über die Shoah sprechen. Es gab an diesem Nachmittag viele Gelegenheiten, neue gemeinsame Interessen zu entdecken und Verbindungen zu knüpfen. Künftig wird wohl ein Teil der deutsch-israelischen Beziehungen ganz unbefangen per SMS gepflegt.

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