Berlin : Flieger statt Sterne zählen Die Nachtflüge in Tegel nehmen nur leicht ab

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Berlin – Jeder Flug stört. Besonders nachts. Wie lange Anwohner am Flughafen Tegel – das betroffene Gebiet reicht von Pankow bis Spandau – den Krach am Himmel, der eigentlich seit dem 3. Juni 2012 vorbei sein sollte, noch aushalten müssen, ist weiter ungewiss. Wenig tröstlich für die Betroffenen ist dabei, dass die Zahl der Nachtflüge in diesem Jahr bisher zurückgegangen ist – allerdings weiter auf einem hohen Niveau verharrt.

Gab es laut der Statistik der Flughafengesellschaft in den ersten elf Monaten 2012 noch 6777 gewerbliche Flüge in der Nacht, waren es in diesem Jahr bis Ende November 6330. Wie bisher konzentrieren sie sich auf die Zeit zwischen 22 Uhr und 22.59 Uhr, für die es keine Beschränkungen gibt. Bis 23.30 Uhr greift dann bei Starts eine pauschale Ausnahmegenehmigung, und danach muss die Luftfahrtbehörde jeden Flug einzeln genehmigen. Landen dürfen verspätete Maschinen mit der pauschalen Ausnahmeregelung sogar bis 24 Uhr. Besonders groß war der Rückgang der Flüge zwischen 23 Uhr und 24 Uhr. Hier schreckten 2012 noch 817 Mal startende oder landende Maschinen die Anwohner aus dem Schlaf; in diesem Jahr liegt die Zahl bisher bei 567 Flügen.

Genau erklären kann den Rückgang auch Rolf-Roland Bley nicht, der als Anwohner Mitglied der Fluglärmkommission ist. Er verweist aber darauf, dass mehrere Fluggesellschaften ihre Flugpläne umgestellt hätten und nicht mehr planmäßig mit verspätungsanfälligen Ankünften kurz vor 23 Uhr operierten. Auch seien einige Flüge gestrichen worden.

Mit Einzelgenehmigungen gab es 2012 im gewerblichen Verkehr 35 Flüge zwischen 0 Uhr und 6 Uhr, in diesem Jahre waren es bis Ende November 20.

Hinzu kommen allerdings die Flüge, die nicht genehmigt werden müssen – für Post- und Ambulanz- sowie Militär-, Polizei- und Regierungsflüge. Hier stieg in diesem Jahr die Zahl der Flüge zwischen 0 Uhr und 6 Uhr von 568 auf 615. An der Spitze liegen die Post- vor den Ambulanzflügen.

Forderungen, zumindest die Postflüge nach Schönefeld zu verlagern, laufen ins Leere. Den Auftrag dazu hat Air Berlin in einer Ausschreibung erhalten, und die Gesellschaft hat ihre Maschinen in Tegel stationiert. Die vorher von einer anderen Gesellschaft in Schönefeld erbrachten Postflüge waren deshalb nach Tegel verlagert worden. Air Berlin hatte eigentlich darauf gesetzt, sie vom neuen BER-Flughafen aus abwickeln zu können.

Sollte Tegel, wie es einigen Politikern und auch Flughafenchef Hartmut Mehdorn vorschwebt, dauerhaft eine „dritte Startbahn“ für den Berlin-Flugverkehr bleiben – durch einen Weiterbetrieb als Regierungsflughafen mit Gastrecht für Geschäftsflugzeuge – würden die Anwohner auch in Zukunft nachts aus dem Schlaf gerissen werden. Zu völlig unterschiedlichen Zeiten. Geschäftsflieger müssten zwar nachts am Boden bleiben, die Regierungsmaschinen würden aber je nach Bedarf auch weiter zwischen 0 Uhr und 6 Uhr starten und landen dürfen. Auch Ambulanzflüge wären dann wohl weiter möglich. Klaus Kurpjuweit

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