Fliegerbombe : Sprengung in den Morgenstunden

Die Entschärfung der Bombe in Wilmersdorf war schwieriger als in anderen Fällen. S-Bahn, U-Bahn und Autobahn waren gesperrt, 12.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

Jörn Hasselmann
Hasen
Sich selbst und ihren Hasen bringen diese Berliner in Sicherheit. -Foto: dpa

Es war die langwierigste Entschärfung seit langem: Gut 17 Stunden nach ihrem Fund konnte gestern um kurz nach acht Uhr morgens die 500-Kilo-Bombe in Wilmersdorf „kontrolliert“ gesprengt werden. Erst danach durften 5000 Menschen zurück in ihre Wohnungen. 660 Menschen, die nicht bei Freunden oder Verwandten Unterschlupf fanden, mussten die Nacht in Schulen und Turnhallen auf Feldbetten verbringen, die das Deutsche Rote Kreuz organisiert hatte.

Am Dienstag gegen 15 Uhr war in der Mecklenburgischen Straße auf einem Hof der Blindgänger gefunden worden. Am Abend stand dann fest, wie groß der Radius des Sicherheitskreises sein musste – für den Fall, dass die Entschärfung misslingen würde. Zunächst hieß es, dass 12 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen müssten, sogar das Sankt-Gertrauden-Krankenhaus sollte zunächst geräumt werden. Am späten Abend entschieden die Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes dann, die – eigentlich als nicht transportfähig eingestufte – Bombe doch etwa 100 Meter weit in den Wilmersdorfer Volkspark zu transportieren. Dort, direkt am Fennsee, wurde eine tiefe Grube ausgehoben, zusammen mit der natürlichen Böschung bildete dies einen geeigneten Splitterschutzwall.

Durch diese Entscheidung konnte der anfangs festgelegte Sperrkreis von 500 Metern deutlich reduziert werden. So musste auch das Krankenhaus nicht geräumt werden. Dennoch dauerte die Evakuierung der Anwohner länger als geplant. Stundenlang fuhren Lautsprecherwagen durch die Straßen, Polizisten klingelten an allen Türen. Etwa 200 Helfer von Hilfsorganisationen wie dem Arbeitersamariterbund waren im Einsatz.

Erst gegen 3 Uhr früh konnten die Entschärfer ihre Arbeit beginnen: Gegen 6 Uhr wurde die britische Bombe vom Fundort in den Park gebracht und dort in der Grube abgelegt. Der Zünder konnte nicht herausgeschraubt werden, weil es ein nach Angaben der Polizei „komplizierter chemischer Langzeitzünder“ war. Deshalb wurde die Low-Order-Technik (siehe Kasten) angewandt – mit einer von den Entschärfern angebrachten Mini-Sprengladung wurde der Zünder von der Bombenhülle weggesprengt. Um 8.14 Uhr war alles vorbei, die Sperrungen wurden aufgehoben.

Wären die 500 Kilogramm Sprengstoff der Bombe detoniert, hätte es voraussichtlich schwere Verwüstungen gegeben, Splitter wären bis zu einem Kilometer weit geflogen, sagen Experten. Deshalb waren ab 7.30 Uhr sicherheitshalber auch die Stadtautobahn, die U-Bahn und die S-Bahn gestoppt worden. Die Grube wurde mittags von einem Bagger wieder zugeschüttet.

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