Berlin : Flierl macht dem Mauermuseum Konkurrenz

Kultursenator stellt heute ein Gedenkkonzept zur Berliner Teilung vor. Er will einen Informationsort am Checkpoint Charlie

Werner van Bebber

Kultursenator Thomas Flierl will in seinem „Gedenkkonzept Berliner Mauer“ auf Rekonstruktionen verzichten. Das geht aus einem Entwurf hervor, den Flierl an diesem Montag vorstellen wird. Das Konzept bringt vom Dokumentationszentrum Bernauer Straße bis zum Checkpoint Charlie die Orte in Verbindung, die an die Teilung der Stadt erinnern. Am Checkpoint Charlie will Flierl in Konkurrenz zum privaten Mauermuseum einen Ausstellungsort, der den „weltpolitischen Bezügen“ des Checkpoints im Kalten Krieg gewidmet ist.

Flierl hält nach wie vor das Dokumentationszentrum an der Bernauer Straße für den am besten geeigneten Ort, um die „Brutalität des Grenzregimes“ zu dokumentieren. Er will das Gedenkstättengelände bis zum Ausgang des Nordbahnhofes erweitern. An den einen Kilometer langen Mauerresten von Vorder- und Hinterlandmauer an der Garten- und an der Liesenstraße könnten thematische Führungen organisiert werden, schlägt er in seinem Konzept vor.

Den privat erhaltenen Wachturm Kieler Eck am Nordhafen bezieht Flierl ebenso in sein Konzept ein wie das Parlament der Bäume am Schiffbauerdamm, die in der östlichen City verteilten Gedenkkreuze für namentlich bekannte Opfer des DDR-Grenzregimes, die Mauer an der Niederkirchnerstraße, den Tränenpalast und die East-Side-Gallery. Der Kultursenator spricht sich für den Antrag einer fraktionsübergreifenden Gruppe von Bundestagsabgeordneten aus, die am Brandenburger Tor an die deutsche Teilung und an die Freude bei deren Ende erinnern wollen.

Allerdings empfiehlt Flierl „eine verallgemeinerte Form“ des Gedenkens – ein Kunstwerk – und will „die Konkurrenz zum Gedenken an die Opfer des NS-Regimes meiden“. Flierl wird vermutlich bei der öffentlichen Diskussion des Papiers heute Abend einige Kritik zu hören bekommen. So stellt sich die Frage, warum die East-Side-Gallery einbezogen werden soll, deren Bilder erst nach dem Fall der Mauer entstanden sind. Auch will sich der Senator bis 2011 Zeit lassen, um das Konzept einschließlich eines Wegweisersystems zu verwirklichen. Flierl begründet das mit Grundstücksfragen und damit, dass ein „erheblicher Abstimmungsbedarf“ mit Museen und politischen Institutionen bestehe. Doch konnte er sich in der Einführung den Hinweis nicht verkneifen, die Berliner CDU habe in den 90er Jahren alles getan, um die Mauer loszuwerden. Das ärgert die kulturpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Monika Grütters. Sie sagt, die PDS habe bis zum Streit um die Kreuze am Checkpoint Charlie jedes Bemühen um ein Konzept blockiert.

Grütters vermisst in Flierls Papier vor allem eine Erinnerung an das ermüdende Prozedere, das die West-Berliner beim Verlassen der Stadt auf sich nehmen mussten. Das Technikmuseum könne helfen, sagt sie. Dort habe man einen Teil der Anlagen des Kontrollpunkts Drewitz eingelagert – einschließlich des Förderbandes, auf dem die Papiere von Grenzer zu Grenzer transportiert wurden.

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