• Flierls Idee zur Klinikfusion ärgert Knake-Werner Die beiden Senatoren der Linkspartei streiten um die Zukunft von Vivantes und der Charité

Berlin : Flierls Idee zur Klinikfusion ärgert Knake-Werner Die beiden Senatoren der Linkspartei streiten um die Zukunft von Vivantes und der Charité

Ingo Bach

Mit seinem Vorschlag, die beiden landeseigenen Krankenhauskonzerne Berlins, Charité und Vivantes, zu fusionieren, stößt Wissenschaftssenator Thomas Flierl (Linkspartei) auf Widerstand – bei seiner Parteifreundin, der Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner. „Die Aufgabe ist doch erst mal, das Universitätsklinikum bei der Sanierung so weit zu bringen, wie es Vivantes längst ist“, sagte sie dem Tagesspiegel. „Jetzt über ein gemeinsames Unternehmen nachzudenken – und dann auch noch unter dem Dach der Charité – finde ich sehr forsch."

Wie berichtet, hatte Flierl bei der Anhörung zum Hochschulmedizingesetz am Freitag eine Vereinigung der beiden Konzerne vorgeschlagen, wenn diese ihre Sanierung beendet haben. Vivantes will bis 2008 ökonomisch gesund sein, die Charité plant dies bis 2010. Berlin sollte anstreben, langfristig nur ein Klinik-Unternehmen finanzieren zu müssen, so Flierl. „Das sollte ein wissenschaftsgeleitetes Haus sein – folglich muss die Charité die strategische Rolle spielen.“

Eine Fusion der Kliniken wäre nicht sinnvoll, sagen dagegen Fachleute. Es entstünde ein Koloss, der nicht mehr steuerbar wäre, heißt es aus der Gesundheitsverwaltung. Er würde zwölf Krankenhäuser mit mehr als 20000 Beschäftigten umfassen und rund 300 000 Patienten stationär versorgen. Außerdem sei die forschungsorientierte Medizin der Charité unternehmerisch nicht mit der regulären Krankenversorgung von Vivantes vereinbar.

Würden beide Unternehmen zusammengeführt, wäre auch der Bestand einiger Krankenhäuser fraglich. Denn eine Fusion macht nur Sinn, wenn durch Synergien gespart werden kann. Einige der Häuser – so die zu Vivantes gehörende Auguste-Viktoria-Klinik in Schöneberg und das Charité-Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz – sind benachbart und versorgen eine ähnliche Patientenklientel. Ein Haus dichtzumachen, läge dann nahe.

Die Strategie hinter dem Vorstoß von Flierl ist offensichtlich: In fünf Jahren droht der Charité ein Jahresdefizit von über 260 Millionen Euro. Deshalb setzt der Vorstand mit Rückendeckung des zuständigen Senators darauf, in der Charité neben der Hochleistungsmedizin auch viele Behandlungen der Grundversorgung, etwa Blinddarmoperationen, anzubieten. Schluckte das Uniklinikum Vivantes, mit dem es in diesem Bereich konkurriert, käme ein Mehrfaches an Umsatz ins Haus, um damit die teure Spitzenmedizin zu finanzieren.

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