Berlin : Fließt immer

Bernd Matthies

Ein echtes Rundum-Sorglos-Paket hat der Senat den Investoren geschnürt, die 1999 49 Prozent der Wasserbetriebe übernahmen. Egal, ob die Berliner wenig oder viel Wasser verbrauchen, egal, ob es viel regnet oder überhaupt nicht: Die Zinsen fließen immer, und das in einer Höhe, die jedem Sparbuchbesitzer Tränen des Neids in die Augen treiben. Es zahlt der wehrlose Verbraucher, der sich keinen anderen Lieferanten suchen kann und mit überproportional steigenden Tarifen ausgetrickst wird, wenn er zu sparen versucht.

„Die Ergebnisse der Wasserbetriebe erfüllen unsere Rendite-Anforderungen“, sagt ein Sprecher der Investoren. Das wird man als blanken Hohn bezeichnen dürfen, als Frechheit eines Quasi-Monopolisten, der vermutlich auf Anfrage gern darüber jammert, welch gewaltiges unternehmerisches Risiko in Berlin auf seinen schmalen Schultern ruhe.

So ist es eben mit der Privatisierung, dem Allheilmittel unserer Finanzpolitiker. Wer mit Gewalt etwas losschlägt, was keiner haben will, muss dem Käufer fette Renditen garantieren, auch wenn das noch so systemwidrig ist. Am Ende zahlt sowieso der Bürger. (Seite 16)

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