Flohmarkt : Neukölln zum Schnäppchenpreis - vor fünf Jahren

Trödeln am Maybachufer: Der Flohmarkt in Nord-Neukölln wurde vor fünf Jahren in kurzer Zeit zum Geheimtipp . Für die Standplätze gab es schon eine Warteliste. Was Eva Kalwa darüber schrieb.

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Kunst aus Kreuzkölln. Für die Standplätze auf dem neuen Flohmarkt am Maybachufer gibt es schon eine Warteliste. Foto: Uwe Steinert
Kunst aus Kreuzkölln. Für die Standplätze auf dem neuen Flohmarkt am Maybachufer gibt es schon eine Warteliste. Foto: Uwe SteinertFoto: uwe steinert

Weit hat sie es nicht. Das Blumengeschirr aus den Fünfzigern, die roten Gläser aus den Siebzigern und die Accessoires mit dem Jugendstil-Dekor bringt Claudia Simon mit der Handkarre zum Stand. Schließlich sind es von ihrem Secondhand-Geschäft „Arm und Sexy“ in der Reuterstraße nur rund 500 Meter bis zum Maybachufer, wo am Sonntag zum zweiten Mal der „Nowkölln Flowmarkt“ stattfindet. „Wir sind begeistert von der tollen Atmosphäre und den vielen Besuchern“, sagen Simon und ihre Freundin Ina Marie Herr bei der Premiere im Mai. Die 45-jährige Herr ist Schauspiellehrerin und malt neben Simon für drei Euro bunte Farben in aufgeregte, fröhliche Kindergesichter. Auch sie kommt aus Neukölln.

„Es war nur eine Frage der Zeit, bis endlich auch dieser Kiez einen Flohmarkt für Design und Trödel bekommt“, sagt Michael Groß, Initiator des „Nowkölln“. Der 35-jährige Mediengestalter, der früher selbst chinesische Glücksballons auf Märkten verkaufte, ist mehr als zufrieden mit dem Erfolg seiner Idee: Rund 100 Aussteller hatten beim ersten Mal teilgenommen, hunderte Besucher drängten sich an diesem Tag bei Sonnenschein und Live-Musik auf dem Bürgersteig durch die schmale Gasse der Stände. An diesem Sonntag werden es bereits 160 Aussteller sein. Das allerdings sei das Maximum, so Groß. Es gebe Aufnahmestopp und bereits lange Wartelisten. Damit alle überhaupt Platz haben und Besucher mit Kinderwagen auch noch durchkommen können, wird dieses Mal sogar das Maybachufer selbst gesperrt. „In diesem Jahr findet der Markt einmal im Monat statt, immer am dritten Sonntag. Wenn der Bezirk mitspielt, 2011 vielleicht öfter“, so Groß.

Die Standmieter fänden das gut. „Es ist toll, dass dieser Flohmarkt noch nicht im Lonely Planet steht wie der am Mauerpark und damit längst nicht so touristisch ist“, sagt Laura Groth aus Reinickendorf. Die 25-jährige Lehramtsstudentin hat mit drei trödelbegeisterten Freundinnen einen Stand gemietet und bietet viele gut erhaltene Schätze aus dem Keller ihres Elternhauses an. Sie mag, dass die Menschen hierhin nicht nur zum Gucken, sondern tatsächlich auch zum Kaufen kommen. Aber nicht nur die Aussteller sind begeistert von der Veranstaltung, von denen sich viele für eine Standmiete zwischen 10 und 30 Euro neben gutem Umsatz vor allem mehr Werbung für ihr Geschäft im Kiez erhoffen. Auch die Besucher genießen die trotz der Fülle entspannte Atmosphäre, feilschen mit den Anbietern um gebrauchte Fußmassagegeräte, Designertaschen, Sommerkleider und weiße Riesenteddys oder hören einige Zeit den Bands auf der kleinen Bühne zu, auf der am Sonntag unter anderem das lateinamerikanische Trio Betouma und der Singer-Songwriter Virgil Segal spielen werden.

„Schön ist, dass hier vieles nicht so teuer ist wie auf anderen Märkten. Aber leider ist manches doch nicht so alt, wie wir gehofft haben“, sagen Julie aus Frankreich und Dea und Frederikke aus Dänemark. Die 23-Jährigen haben sich an der Uni in Berlin kennengelernt und wohnen alle in Neukölln. „Auf Flohmärkten stöbern wir am liebsten nach richtig alten Schätzen“, erklärt Dea. Ein schickes Zwanziger-Jahre-Kleid ganz zuunterst in einer alten Holztruhe zu finden, wäre ihr größter Traum.

Flohmarkt Nowkölln, Sonntag 9 bis 18 Uhr am Maybachufer. www.nowkoelln.de

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren".

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