Berlin : Flucht: Zwei Straftäter aus dem Maßregelvollzug geflohen

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Zwei als gefährlich eingestufte Patienten sind gestern aus dem Maßregelvollzug des Klinikums Buch in Pankow und dem der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf geflohen. Ein 32-Jähriger nutzte den Besuch bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt außerhalb der Einrichtung zur Flucht. Er sei von einem Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes begleitet worde, hieß es. Dieser habe dabei gravierende Fehler begangen. Er habe den Mann nicht verfolgt, sondern ihm nur nachgerufen. Der Mitarbeiter sei derzeit vom Dienst suspendiert, sagte der Sprecher der zuständigen Sozialverwaltung, Klaus-Peter Florian.

Der Flüchtling war seit August 1993 in der geschlossenen Abteilung. Er war wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt worden und hinterließ ein als Testament bezeichnetes Schreiben. In dem kündigte er an, sich in Hamburg vor einen Zug werfen zu wollen. Die Ärzte vermuten, dass er seine Freundin aufsuchen will, die ihm bei ihrem letzten Besuch gesagt hatte, sie sei schwanger. Die Frau ist nach Auskunft von Florian selbst geistig behindert. Er halte es für unwahrscheinlich, dass sie tatsächlich schwanger sei, vor allem auch deshalb, weil dem Mann in der Klinik triebhemmende Mittel verabreicht worden waren. Der Geflohene und die Frau kennen sich bereits aus der Zeit vor seiner Einweisung in den Maßregelvollzug. Eine Gefährdung der Öffenlichkeit sei nicht vollkommen auszuschließen, warnte die Verwaltung.

Aus der Karl-Boenhoffer-Nervenklinik entkam ein 49-jähriger, als "schwer persönlichkeitsgestört" eingestufter Patient, der bereits seit 1977 dort behandelt wurde. Er war wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt worden. Seit Januar hatte er zwei Mal wöchentlich unbegleiteten Ausgang im Park. So auch gestern: Als er nach zwei Stunden nicht zurückgekehrt war, wurde die Suche nach ihm aufgenommen. Nach Einschätzung der Ärzte könnte er gefährlich werden, wenn er Alkohol getrunken hat. Der Mann ist alkoholkrank und feiert heute seinen 50. Geburtstag. Ihm wurde ein Bein amputiert, außerdem hatte er einen Schlaganfall, sagte Florian, der nicht ausschließt, dass der Patient freiwillig in die Klinik zurückkehrt. Denn dort habe er nach der langen Aufenthaltsdauer sein gesamtes soziales Umfeld.

Immer wieder war Kritik geübt worden, weil in der Vergangenheit zahlreiche Gewaltverbrecher aus dem Maßregelvollzug entkommen waren. Aus einer Klinik in Neuruppin war im Spätherbst 2000 der Mörder Frank Schmökel entkommen. Während seiner rund zweiwöchigen Flucht hatte er einen Rentner getötet. Nur wenige Wochen später floh im Januar 2001 ebenfalls aus der Karl-Bonhoeffer-Klinik der Russe Igor Pikus. Er galt als krimineller Kopf einer russischen Autoschieberbande und soll womöglich auch in mehrere ungeklärte Todesfälle verstrickt gewesen sein. Eingewiesen worden war er wegen einer Vergewaltigung.

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