Berlin : Flüchtige Erinnerungen

Die Gedenkstätte Notaufnahmelager Marienfelde sucht Zeitzeugen – und plant eine neue Ausstellung

Helmut Caspar

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde bereitet für nächstes Jahr eine Ausstellung zur deutsch-deutschen Fluchtbewegung mit vielen unbekannten Zeitzeugnissen vor. Dafür werden Dokumente, Bilder und Sachzeugen sowie Tagebuchaufzeichnungen und persönliche Erinnerungen von Menschen gesucht, die vor und nach dem Mauerbau in den Westen flüchteten und in Marienfelde ihre ersten Tage im Westen verlebten.

Anschaulicher als bisher sollen die Schicksale der 1,3 Millionen DDR-Flüchtlinge, die das 1953 errichtete Notaufnahmelager durchliefen, ab Frühjahr 2005 in einer neuen Dokumentation vermittelt werden. „Zwar finden sich in unserer eigenen Sammlung zahlreiche interessante Schriftstücke und Objekte“, sagt Ausstellungsleiter Helge Heidemeyer. „Doch wäre wunderbar, wenn wir auch Gegenstände zeigen könnten, die für Flüchtlinge damals so wichtig waren, dass sie sie auf ihrem oft abenteuerlichem Weg in die Freiheit mitnahmen. Das kann eine Tasse, ein Buch oder auch ein Spielzeug sein. Die Ängste und Hoffnungen, die mit dem Grenzübertritt verbunden waren, können nur aus Schilderungen der Betroffenen rekonstruiert werden.“ Deshalb werden Zeitzeugen gesucht, die, so Heidemeyer, mit ihren Erinnerungen neue Einsichten in das Aufnahmeverfahren und das Lagerleben geben sollen.

Die neue Ausstellung wird im Eingangsbereich der heutigen Zentralen Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler (ZAB) eingerichtet. Dabei soll der Bau aus den frühen fünfziger Jahren nicht wesentlich verändert werden. Auch in der künftigen Ausstellung wird man einen Blick in die Büros tun können, in denen die Flüchtlinge einer intensiven Befragung durch westalliierte Geheimdienste und deutsche Behörden unterzogen wurden, bevor ihrem Notaufnahmeverfahren mit Stempel und Unterschrift zugestimmt wurde. Es wurde viel gestempelt in Marienfelde. Das zeigt die bisherige Ausstellung am Beispiel eines randvoll mit bürokratischem Werkzeug gefüllten Waschkorbs.

Die Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, Marienfelder Allee 66-80, 12277 Berlin, ist Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr geöffnet, Eintritt frei. Anfragen zur Sammlung und zur neuen Ausstellung unter Tel. 9017 3325.

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