Flüchtlinge in Berlin : Erst die Notunterkunft, nun der Container

Immer noch leben viele Flüchtlinge in Berlin in Notunterkünften – nun entstehen neue Dörfer.

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Die Baustelle eines Containerdorfs für Flüchtlinge.
Die Baustelle eines Containerdorfs für Flüchtlinge.Foto: dpa

Am Oberhafen in Spandau ist das nächste Tempohome fertig geworden, derzeit werde es möbliert, erklärte die Senatsverwaltung für Integration auf Tagesspiegel-Anfrage. Es wird das sechste Containerdorf der neuen Serie sein. 280 Plätze gibt es zu besetzen, erneut können Flüchtlinge aus Notunterkünften ausziehen. Wer genau profitieren wird, werde laut Senatsverwaltung für Soziales noch geprüft.

Nach dem Leerzug der letzten Turnhalle Ende März sind immer noch rund 13.400 Flüchtlinge in Notunterkünften wie dem ICC oder den Hangars in Tempelhof untergebracht, weit mehr als in anderen Städten. Einen Zeitplan für ihren Umzug in Gemeinschaftsunterkünfte wie Tempohomes oder die komfortableren sogenannten modularen Unterkünfte (MUFs) nennt der Senat nicht. Aus gutem Grund. Schon bei den Turnhallen waren mehrere Terminzusagen nicht eingehalten worden, weil sich der Bau der neuen Flüchtlingsheime verzögerte.

Warten auf die neue Prognose

Wegen der geringer gewordenen Flüchtlingszahlen hat auch der Druck abgenommen, nach Standorten für die ursprünglich geplanten 30 Tempohomes und 60 MUFs zu suchen. Stattdessen wurden die Planzahlen deutlich nach unten korrigiert. Aktuell will der Senat 23 Containerstandorte und 32 MUFs realisieren. Doch diese Zielvorgaben werden demnächst erneut revidiert, denn noch im Mai will Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) eine neue Prognose vorlegen. 2016 suchten 16.000 Menschen in Berlin Schutz, in diesem Jahr werden es wahrscheinlich ähnlich viele werden, glaubt Hakan Tas, integrationspolitischer Sprecher der Linken.

Die Berliner Immobilienmanagement GmbH BIM arbeitet derzeit daran, 23 Containersiedlungen tatsächlich zu bauen. Nach dem Oberhafen soll Ende Mai die Siedlung in der Dingolfinger Straße in Biesdorf fertig werden, anschließend das Dorf in der Hohenschönhauser Straße in Lichtenberg. Bis zum Spätsommer sollen die vier Dörfer auf dem Tempelhofer Feld bezugsfertig sein – nahe dem Columbiadamm stehen bereits viele Container. Laut BIM-Sprecher Christian Breitkreuz liegt der Bau im Zeitplan.

MUFs könnten auch anderen Bedarfsgruppen zugute kommen

Für die Containerdörfer hat der Hauptausschuss zuletzt 110 Millionen Euro bewilligt, 23 Millionen mehr als geplant. Für die Mehrkosten gibt es laut Eva Henkel, Sprecherin des Finanzsenators, zwei Gründe: Der neue Senat hat die Anforderungen an die Tempohomes erhöht. Jeder Container hat eine Kochgelegenheit, außerdem gibt es Gemeinschaftsräume, W-Lan, Spielplätze und Gärten zum Selbstackern und Entspannen. Der zweite Grund sind Baumängel und zusätzliche Kosten für den Artenschutz.

Bei den MUFs gibt es noch keine neuen Kostenschätzungen. Bislang wurden zwischen 17 und 20 Millionen Euro pro MUF (etwa 300 Wohnplätze) ausgegeben. Weil sie teilweise von den Wohnungsbaugesellschaften finanziert werden, gibt es keine globale Summe. Sollten die Flüchtlingszahlen auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben oder gar sinken, möchte Breitenbach lieber zusätzliche MUFs bauen, weil hier langfristig auch Bedarfsgruppen wie Geringverdiener oder Studenten untergebracht werden können. Die Container sollen dagegen nach rund drei Jahren wieder verschwunden sein.

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