Flüchtlinge in Berlin : Ex-Kasernen taugen kaum als Unterkünfte

Kasernen und Turnhallen sind allenfalls eine Übergangslösung für Flüchtlinge. 15.000 Fertighauswohnungen sollen langfristig helfen - Quadratmeterpreis: 1000 Euro.

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Häuser am laufenden Band: Fertigbauten (hier ein Symbolbild) sollen die Wohnungsnot der Flüchtlinge schnell lindern helfen.
Häuser am laufenden Band: Fertigbauten (hier ein Symbolbild) sollen die Wohnungsnot der Flüchtlinge schnell lindern helfen.Foto: Nestor Bachmann/dpa

Sporthallen, leerstehende Gebäude, Flughafenhangars – auf der Suche nach Flüchtlingsunterkünften werden derzeit alle Möglichkeiten geprüft. Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass eine Turnhalle an der Bundeswehrkaserne am Flugplatz Gatow von 70 Flüchtlingen bezogen werden könnte.

Und was ist mit den anderen Bundeswehrkasernen? Die seien doch viel besser geeignet als Turnhallen, sagte jüngst Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) aus Charlottenburg-Wilmersdorf und verwies auf die Julius-Leber-Kaserne in Wedding, die nach seiner Kenntnis nur „teilweise“ belegt sei.

Dem widerspricht allerdings die Bundeswehr. Die Kaserne in Wedding – der größte Bundeswehrstandort in Berlin – sei mit 2000 Soldaten und etwa 200 Zivilisten weitgehend belegt, sagte Sprecherin Susanne Lopez. Von 132 Gebäuden auf dem 91-Hektar-Areal seien nur zwei leer, die seien aber marode und aus Denkmalschutzgründen nicht zu sanieren. Das Hauptargument gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in aktiv genutzten Kasernen sei aber, dass es sich um einen „in sich geschlossenen militärischen Sicherheitsbereich“ handele. Waffen und Munition lagern in den Kasernen, aber auch Dokumente, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt seien.

Die Bundeswehr prüfe jedoch, wo es außerhalb dieser Sicherheitsbereiche Kapazitäten gebe, wie die oben genannte Bundeswehrsporthalle in Gatow.

Garagen und Bunker: Von 60 Gebäuden ist fast keines brauchbar

Für nicht mehr genutzte Kasernen ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zuständig. Doch es gebe eigentlich keine geeigneten Gebäude mehr, sagte ein Mitarbeiter. Nachdem der Senat die Bima aufgefordert habe, alles zu melden, was ein Dach hat, wurden rund 60 Gebäude in Berlin benannt. Doch die meisten davon seien eigentlich für die Unterbringung von Menschen unbrauchbar – alte Panzergaragen oder Munitionsbunker etwa.

Deshalb müssen Neubauten her. Den Bau von 15.000 Wohnungen innerhalb einer rekordverdächtig kurzen Zeit von nur sechs bis zehn Monaten hatte Bausenator Andreas Geisel (SPD) am Dienstag angekündigt. Ausschreiben will er das Vorhaben bereits im Oktober, einziehen könnten die ersten Mieter also bereits im kommenden Jahr. Von Wohnungen in „Leichtbauweise“ sprach Geisel und auch von „seriellem Bau“ aus vorgefertigten Betonelementen.

So sieht's aus im Flüchtlingheim Spandau
So sieht das neue Flüchtlingsheim aus in Berlin-Spandau. Akkurat stehen die Zelte auf dem einstigen Kasernengelände der britischen Armee. Links ein Versorgungscontainer.Weitere Bilder anzeigen
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09.09.2015 16:07So sieht das neue Flüchtlingsheim aus in Berlin-Spandau. Akkurat stehen die Zelte auf dem einstigen Kasernengelände der britischen...

Das böse Wort der „Plattenbauten“ wollte der Bausenator nicht gelten lassen. Er sprach stattdessen lieber von „Fertighäusern“. Das ist etwas irreführend, denn darunter versteht man landläufig wohl Eigenheime aus dem Katalog. Deren Wände und Decken bestehen überwiegend aus Holztafeln, die ähnlich wie Fachwerkhäuser durch Querstreben verstärkt und damit durchaus stabil sind.

Aber sowohl Fertighäuser als auch Plattenbauten bestehen aus vielen Bauteilen, die in der Fabrik vorgefertigt sind. Diese müssen – zugespitzt formuliert – auf der Baustelle nur noch zusammengesteckt werden. Deshalb geht es auch so schnell mit der Errichtung dieser Bauten.

Leichtbauhäuser sollen jeweils 64 Bewohner aufnehmen

Geisel zufolge sind „verschiedene Konfigurationen“ von „Grundmodulen“ zur Unterbringung von jeweils 64 Menschen in Fertigbauweise möglich. Diese Module könnten je nach Zuschnitt der Grundstücke zu U-förmigen oder T-förmigen Blöcken kombiniert werden, so der Bausenator weiter. Maximal drei Geschosse sollen sie haben, die Grenzwerte der Energieeinsparverordnung Enev beim Wärmeverbrauch einhalten und außerdem barrierefrei sein.

Die Halbwertzeit dieser Schnellbauten betrage „mehrere Jahrzehnte“ und mehr als 1000 Euro pro Quadratmeter kosteten die Häuser nicht – wodurch sie für 6,50 Euro je Quadratmeter und Monat vermietet werden könnten. Einen Nachteil haben sie allerdings: Weil die Bauten maximal drei Geschosse hoch sein dürfen, lasten sie die meisten innerstädtischen Grundstücke nicht maximal aus. In Berlin sind überwiegend fünf Geschosse plus Dachausbau möglich.

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