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Flüchtlinge in Berlin : Keine Kette - aber viele Lichter

Tausende Berliner gingen am Samstagabend mit Kerzen auf die Straße. Auch Flüchtlinge kamen zur Lichterkette.

von und Max Deibert
Lichterkette, zu sehen Unter den Linden.
Lichterkette, zu sehen Unter den Linden.Foto: Max Deibert

Erst um 20 Uhr ging es los, doch schon gegen 19.30 Uhr hatten viele Menschen in Berlin damit begonnen, sich zur Lichterkette quer durch die Stadt zu sammeln. Der Veranstalter Peter Kranz vom Ökumenischen Zentrum in Charlottenburg ging am Samstagabend kurz nach der Aktion sogar von 20.000 bis 25.000 Menschen aus, die seinem Aufruf gefolgt waren. Die Polizei hingegen hatte zu diesem Zeitpunkt an die 8000 Menschen gezählt. Deutlich war allerdings in jedem Fall, dass an den einzelnen Plätzen unterschiedlich viele Menschen auf die Straße gingen.

Auf dem Pariser Platz beispielsweise drängten sich die Leute dicht an dicht - möglicherweise auch wegen des Festival of Lights -, aber viele hatten Kerzen dabei, waren also wohl dem Aufruf von Pfarrer Peter Kranz gefolgt. Auch in Richtung Großer Stern standen die Menschen mit Kerzen, wenn auch weniger gedrängt. Unter den Linden sah man zwischen den flanierenden Touristen immer wieder Gruppen von gut gelaunten Menschen mit Kerzen, allerdings keine zusammenhängende Kette. Am Frankfurter Tor drängten sich sogar bis zu 3000 Menschen, berichtete Pfarrer Kranz, der die Zahl der Polizei als unzutreffend kritisierte. Die Teilnehmerzahl hätte wohl für die geplante Kette von Staaken nach Kaulsdorf gereicht, durch die ungleichmäßige Verteilung habe es aber Lücken gegeben.

Teilweise waren auch Flüchtlinge zur Lichterkette gekommen. So hatten drei Jugendliche der Initiative "Jugend für Asyl" aus Falkensee drei Asylbewerber auf den Boulevard Unter den Linden mitgebracht, mit denen sie sich sonst für Freizeitaktivitäten wie Fußball treffen. Als Lichter hatten die Menschen sehr Unterschiedliches gewählt. Das reichte von den klassischen, mitunter recht sakral anmutenden Kerzen, mal in der Hand getragen oder mit Wachs auf den Bordstein geklebt, mal mit, mal ohne schützendes Glas, über Taschenlampen, Smartphone-Leuchten bis zu bunten Lampions.

Über Twitter werden unter dem Hashtag #Lichterkette Bilder aus den verschiedenen Stadtteilen von unterschiedlichen Orten getweetet, auch dort sind immer wieder durchgehende Lichterzüge zu sehen.

Unterstützt wurde der Aufruf von Kranz durch zahlreiche Organisationen, Parteien und Gewerkschaften. Anlass für die Lichterkette war nach den Worten des Vorsitzenden des Ökumenischen Zentrums die bröckelnde Akzeptanz von Flüchtlingen in der Bevölkerung. Zudem sollte für das Ausland ein Zeichen gesetzt werden. Die Idee zu der Aktion war im August geboren worden, als bundesweit mehrere Unterkünfte brannten, in denen Asylbewerber untergebracht werden sollten.

Die Lichterkette, die sich 30 Kilometer durch Berlin ziehen sollte, stand unter dem Motto "Flüchtlinge willkommen - Fluchtursachen überwinden - Lichtzeichen setzen". Für einen geschlossene Kette wären rund 25.000 Teilnehmer benötigt gewesen. Die Strecke führte von der Heerstraße über Kaiserdamm, Straße des 17. Juni, Unter den Linden, Alexanderplatz, Karl-Marx-Allee und Frankfurter Allee.

Die Flüchtlingsinitiative "Moabit hilft!" hatte für Samstagnachmittag zu einer Demonstration am Neptunbrunnen in Mitte aufgerufen. Die Kundgebung begann um 15.30 Uhr, nach Polizeiangaben waren 500 bis 600 Menschen dem Aufruf gefolgt. Unter anderem sollten Vertreter der ehrenamtlichen Helfer, der Ärztekammer, des Flüchtlingsrates und von Amnesty International sprechen. Die Demo sollte vor allem auf die Zustände am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit hinweisen. Gefordert wurden Lösungen für eine bessere Organisation der Flüchtlingsregistrierung.

Für die Rechte von Flüchtlinge demonstrierten am Sonnabend einige hundert Menschen am Neptunbrunnen in Mitte.
Für die Rechte von Flüchtlinge demonstrierten am Sonnabend einige hundert Menschen am Neptunbrunnen in Mitte.Foto: Fabrizio Bensch/Reuters
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