Flüchtlinge in Berlin-Neukölln : Heim in Britz verdreifacht die Plätze

Das Flüchtlingsheim an der Haarlemer Straße wird zur einer der größten Unterkünfte der Stadt ausgebaut. Auch Studierende und Geringverdiener sollen einziehen.

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Großsiedlung. An der Haarlemer Straße in Neukölln wird wieder gebaut.
Großsiedlung. An der Haarlemer Straße in Neukölln wird wieder gebaut.Foto: Thomas Loy

In Neukölln hat die Erweiterung des Flüchtlingsheimes an der Haarlemer Straße in Britz begonnen. Es wird mit maximal 1320 Plätzen eine der größten Unterkünfte der Stadt. Bislang leben in den zwei vorhandenen Wohnblöcken 400 Flüchtlinge, vor allem Familien. Doch das große Grundstück bietet genügend Platz für vier weitere Blöcke. 2017 sollen die ersten Bewohner einziehen.

Das Heim hat eine brisante Geschichte. Ursprünglich wurde es als Provisorium für drei Jahre errichtet, so hatte es der Senat mit dem ehemaligen Eigentümer, dem Möbelunternehmer Kurt Krieger, vereinbart. Doch die Unterkünfte wurden wesentlich teurer als geplant – mehr als acht Millionen Euro – und später fertig. Nach einer Nutzungsdauer von weniger als zwei Jahren drohte Ende 2015 der Abriss. Das Geld wäre verloren gewesen, und der Senat hätte sich mit einem weiteren Bauskandal herumschlagen müssen.

Nach zähen Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer, Home Center Management, verkündeten Sozialsenator Mario Czaja (CDU) und Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) im vergangenen Dezember, statt Abriss stehe nun eine Erweiterung an. Der Eigentümer will diesmal aber selbst bauen und die Gebäude an das Land vermieten. Zu welchen Konditionen, wollte die Sozialverwaltung nicht mitteilen.

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Auch Studenten sollen hier wohnen

Das Heim wird also weiterhin in Privatbesitz bleiben, was der Senat eigentlich ablehnt, um eine bessere Kontrolle über die Betreiber zu haben. Das Heim in der Haarlemer Straße wird bislang von der Pewobe betrieben, doch nach dem Bekanntwerden abfälliger E-Mails von Pewobe-Mitarbeitern hat Czaja alle Verträge mit der Firma gekündigt. Dagegen will die Pewobe allerdings juristisch vorgehen. Inzwischen gilt die Haarlemer Straße als Vorzeige-Unterkunft. Die Gebäude sind solide errichtet, die Bewohner haben genügend Platz, und das Verhältnis zur Nachbarschaft gilt als entspannt. Mit der Erweiterung soll eine Kita mit Spielplatz entstehen, außerdem sind ein „Kinder- und Jugendhaus“ und Gemeinschaftsgärten geplant.

Wie das erweiterte Heim genau genutzt werde, hänge vom „tatsächlichen Bedarf zum Zeitpunkt der Belegung ab“, erklärte die Sozialverwaltung. Mit rund 1.300 Plätzen ist die Einrichtung wesentlich größer als die geplanten Tempohomes (Containersiedlungen) und Modulbauten. Diese Gemeinschaftsunterkünfte sollen maximal 500 Plätze haben und auch mit Studierende und Geringverdienern belegt werden, um eine Ghettobildung zu vermeiden und die Integration in die Nachbarschaft zu fördern. Neukölln werde inklusive Haarlemer Straße 4.140 Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung stellen, sagte Giffey.

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