Flüchtlinge in Berlin : Rathaus Wilmersdorf ist keine Notunterkunft mehr

Nach mehr als zwei Jahren wurde die Notunterkunft für Flüchtlinge im alten Rathaus Wilmersdorf geschlossen. Alle Bewohner leben nun im Berliner Südwesten.

Abschied nehmen. Flüchtlinge und Helfer vor der nunmehr geschlossenen Notunterkunft im alten Rathaus Wilmersdorf.
Abschied nehmen. Flüchtlinge und Helfer vor der nunmehr geschlossenen Notunterkunft im alten Rathaus Wilmersdorf.Foto: Agnieszka Budek

Wenn Flüchtlinge aus einer Notunterkunft in besser ausgestattete Gemeinschaftsquartiere umziehen können, ist das an sich ein Grund zur Freude. Trotzdem war am Mittwoch etwas Wehmut zu spüren, als ein Bus die letzten Bewohner des früheren Rathauses Wilmersdorf nach Lichterfelde in die Finckensteinallee brachte. Ehrenamtliche Helfer umarmten die Geflüchteten und winkten ihnen lange hinterher. In Namen der engagierten Bürger sagte ihr Sprecher Holger Michel, man bemühe sich, die Kontakte nicht ganz abreißen zu lassen.

Erschwert wird dies aber, weil Containerbauten (Tempohomes) für 160 Menschen nahe dem Stadion Wilmersdorf nicht rechtzeitig fertig wurden. Deshalb konnte niemand aus dem Ex-Rathaus in dem westlichen Innenstadtbezirk bleiben. Für Kinder aus den Flüchtlingsfamilien bedeutet das längere Schulwege – denn in Steglitz-Zehlendorf fehlen Plätze in Schulklassen.

Noch vor zwei Wochen hatte die Berliner Immobilien Management (BIM) GmbH gehofft, das Wilmersdorfer Ersatzquartier trotz einiger Bauverzögerungen bis Ende November eröffnen zu können. Nun rechnet die BIM damit erst im Frühjahr.

Ins Ex-Rathaus ziehen Landesbehörden

Das alte Rathaus am Fehrbelliner Platz wird nun für Behörden umgebaut. Es soll als „Drehscheibe“ für Landesbedienstete dienen, die Büros brauchen. Zunächst geht es um Beschäftigte der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, deren Hochhaus an der Württembergischen Straße derzeit saniert wird. Dagegen zieht der Landesrechnungshof doch nicht wie ursprünglich geplant nach Wilmersdorf um, weil die BIM für ihn bereits andere neue Räume in Moabit angemietet hat.

Die Flüchtlingsunterkunft war im August 2015 entstanden und mit bis zu 1150 Bewohnern eine der größten in Berlin. Kurz nach der Eröffnung kam der damalige Bundespräsident Joachim Gauck vorbei und lobte das bürgerschaftliche Engagement als Beispiel für ein „helles Deutschland“. In der letzten Woche waren noch etwa 500 Bewohner übrig, die schrittweise auszogen.

Flüchtlingshelfer bereiten neuen Treffpunkt vor

Helfer Holger Michel hat über seine Erlebnisse das Buch „Wir machen das“ geschrieben – und plant mit einigen Unterstützern schon etwas Neues. Eine frühere Unterkunft der Bezirksgärtnerei am Volkspark Wilmersdorf soll bald zum „Haus der Nachbarschaft“ für Berliner und Flüchtlinge werden. Zum Konzept gehören Freizeitaktivitäten ebenso wie Bildungsangebote.

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