Flüchtlinge in Berlin : "Siehe da, es gibt Hilfsbedarf"

Die neue Erstaufnahme an der Bundesallee verbessert die Situation der Flüchtlinge in Berlin nicht, sagt Pirat Martin Delius. Warten müssen die Menschen trotzdem.

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Am Donnerstagvormittag in der Wartehalle der neuen Erstaufnahme in der Bundesallee. Die ersten Menschen sind da. Foto: R. Ciesinger
Am Donnerstagvormittag in der Wartehalle der neuen Erstaufnahme in der Bundesallee. Die ersten Menschen sind da.Foto: R. Ciesinger

Martin Delius, Fraktionsvorsitzender der Piraten im Abgeordnetenhaus, war am Donnerstag vor der neuen Erstaufnahme in der Bundesallee, zusammen mit Vertretern von Hilfsinitiativen aus dem Bezirk, die er unterstützt.

Was ist Ihr Eindruck von der neuen Erstaufnahmestelle an der Bundesallee?

Das ist hier jetzt alles noch in der Aufbauphase. Die angekündigte Krankenstation gibt es, Sandwiches für die Wartenden auch, den Spielbereich für die Kinder gibt es noch nicht, beziehungsweise keine Betreuer. An diesem Donnerstag sollten auch nur etwa 80 Menschen von der Turmstraße hierhergebracht werden. Im Vergleich zur bisherigen Lage dort ist es an der Bundesallee schon luxuriös. Die Menschen können im Warmen auf Stühlen sitzen und stehen nicht im Regen.

Aber?

Im Moment ist die Lage, sind die Mitarbeiter hier, mit denen wir uns unterhalten konnten, relativ entspannt. Aber wenn mehrere hundert Menschen jeden Tag ankommen, wie der Senator angekündigt hat, dann wird es hier auch kritisch.

Was sind ihre Bedenken?

Auch wenn die Menschen an mehreren Stellen im Haus registriert werden können, werden sie warten müssen, möglicherweise auch länger. Und an der Turmstraße haben wir gesehen, wie wichtig es ist, sich früh auch um die Bedürfnisse der Menschen zu kümmern, die nichts mit der Abarbeitung ihrer verwaltungstechnischen Anliegen zu tun haben. Also Vertrauen in die Hilfe aufbauen, die Kinder betreuen, Essen und Getränke bereitstellen, überhaupt die ganze humanitäre Situation.

Aber das wird doch gemacht, haben Sie gesagt?

Ja, aber um das in dem Umfang wie benötigt zu gewährleisten, braucht es die Ehrenamtlichen. Das wissen auch die Mitarbeiter vor Ort hier. Bei ihnen möchte ich mich auch noch einmal ganz ausdrücklich bedanken, sie waren heute hier sehr aufgeschlossen. Wir konnten schon besprechen, wo die Hilfsbündnisse in die Arbeit miteingebunden werden könnten.

Martin Delius, Vorsitzender der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus in Berlin. Foto: dpa
Martin Delius, Vorsitzender der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus in Berlin.Foto: dpa

Das klingt doch gut.

Ja, nur leider hat sich dafür auf der höheren Ebene im Vorfeld niemand interessiert. Es wurde mehrfach versucht, mit dem Lageso wegen der neuen Erstaufnahmestelle Kontakt aufzunehmen und Hilfe angeboten, aber da wurde beschieden, man würde das alles ganz alleine hinkriegen. Weil wir das so nicht geglaubt haben, sind wir heute auch zur Eröffnung gekommen. Und siehe da, es gibt Hilfsbedarf.

Wird sich durch die neue Erstaufnahmestelle die Situation der Flüchtlinge in Berlin bessern?

Nein. Diejenigen, die neu nach Berlin kommen, sollen jetzt nicht mehr täglich vor dem Lageso in der Turmstraße darauf warten, dass ihre Nummer aufgerufen wird. Das ist gut. Aber warten müssen sie trotzdem, und zwar in den Notunterkünften, bis sie registriert werden können. Und das dürfte ebenfalls mehrere Wochen dauern. In der Zeit haben sie keinerlei Anspruch auf Sprachkurs, BVG-Ticket, die medizinische Versorgung ist höchst kompliziert. Das eigentliche Problem ist, dass wir in Berlin einfach viel zu wenig Personal zur Registrierung der Menschen haben, die hier ankommen. Das ist der Flaschenhals, der geöffnet werden muss.  

Einen Blog zu den Ereignissen vom Donnerstag lesen Sie hier.

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