Flüchtlinge in Berlin : Sportvereine zwischen Engagement und Sorge

Viele Vereine engagieren sich für die Integration von Flüchtlingen. Doch jetzt wächst die Sorge um den Verlust wichtiger Hallen.

Rainer W. During, Nandór Hulverscheidt
Flüchtlingskinder aus dem Irak spielen in einer Sporthalle in Berlin. Viele Vereine engagieren sich für die Integration der Flüchtlinge.
Flüchtlingskinder aus dem Irak spielen in einer Sporthalle in Berlin. Viele Vereine engagieren sich für die Integration der...Foto: Bernd von Jutrczenka/p-a/dpa

Unter Berlins Sportvereinen wächst neben dem Engagement für Flüchtlinge auch die Angst um die Zukunft von Trainingsstätten. Anlass ist die zunehmende Beschlagnahmung von Sportstätten als Flüchtlingsquartiere. Der Landessportbund (LSB) forderte am Montag den Senat auf, nur als „allerletzte Option“ auf Sporthallen zurückzugreifen. Vorrangig sollten Immobilien wie die Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof, die Messehallen und das ICC für die Unterbringung genutzt werden.

Ob die Neuköllner Sportfreunde in Marienfelde, die SG Treptow in Adlershof, Wacker Lankwitz in der Goertzallee oder der ASV Berlin in der Kruppstraße: Überall dort, wo Flüchtlingsquartiere eingerichtet wurden, bieten Vereine den Bewohnern sportliche Aktivitäten. Mehr als 40 Klubs sind einem Appell des LSB-Präsidenten Klaus Böger gefolgt. „Sie helfen, den tristen Heimalltag stundenweise vergessen zu machen“, so der frühere Sportsenator. Die Angebote seien erste Schritte zur Integration oder zumindest ein Beitrag zu einer respektvollen und freundlichen Aufnahme in Deutschland.

„Dieser vorbildliche Brückenschlag in die deutsche Gesellschaft kann aber nur gelingen, wenn den engagierten Vereinen Sportstätten für die bisherige und die neuen, zusätzlichen Angebote zur Verfügung stehen“, erklärte der Landessportbund. So sind bereits die große Sporthalle und die Rudolf-Harbig-Halle im Horst-Korber-Zentrum des LSB im Olympiapark beschlagnahmt worden, die Heimat der Nachwuchsmannschaften von Berlin Volleys und Füchsen. Auch das traditionelle Fechtturnier „Weißer Bär von Berlin“ im Januar muss hier abgesagt werden, sagt LSB-Direktor Heiner Brandi. Auch die Jahn-Sporthalle am Neuköllner Columbiadamm wurde in ein Notquartier umgewandelt. Das Sportforum Hohenschönhausen ist ebenfalls im Gespräch, doch wurde bisher auf eine Beschlagnahme verzichtet, die für Berlins Leichtathleten eine Katastrophe wäre. Hier trainieren Spitzensportler wie der Diskuswerfer Robert Harting.

So sieht's aus im Flüchtlingheim Spandau
So sieht das neue Flüchtlingsheim aus in Berlin-Spandau. Akkurat stehen die Zelte auf dem einstigen Kasernengelände der britischen Armee. Links ein Versorgungscontainer.Weitere Bilder anzeigen
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09.09.2015 16:07So sieht das neue Flüchtlingsheim aus in Berlin-Spandau. Akkurat stehen die Zelte auf dem einstigen Kasernengelände der britischen...

Der Präsident des Berliner Leichtathletik-Verbandes, Gerhard Janetzky, appelliert ebenfalls in einem Brief an den Senat, die Vereine in die Entscheidungsfindung stärker einzubinden: „Wir wollen helfen – aber sprechen Sie mit uns, vermeiden Sie, dass die Stimmung kippt“.

Weiter Sportstätten stehen schon zur Disposition

Doch schon stehen weitere Sportstätten zur Disposition. „In Mitte sollen weitere Hallen belegt werden“, so LSB-Direktor Brandi. Auch andere Bezirke haben Standorte gemeldet, so Steglitz-Zehlendorf die Sporthalle Zehlendorf (Onkel-Tom-Straße), die Halle des Cole- Sports-Center am Hüttenweg, die Sochos-Sporthalle (Lessingstraße) und die Halle der Schmitt-Ott-Oberschule (Plantagenstraße). Man sei sich bewusst, dass in den Hallen bei einer Flüchtlingsunterbringung vorübergehend kein Schul- oder Vereinssport stattfinden könne, teilte das Bezirksamt mit. Aufgrund der Notsituation sei jedoch eine Meldung geboten gewesen. „Wir würden nicht auf Sporthallen zurückgreifen, wenn das nicht nötig wäre“, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Regina Kneiding. Auf Hallen, in denen Schulsport stattfindet, soll nach Möglichkeit auch weiterhin nicht zugegriffen werden.

Die Vorbereitungen für den einstigen Flughafen Tempelhof gehen weiter

Derweil gehen die Vorbereitungen für eine Nutzung des ehemaligen Flughafens Tempelhof als Flüchtlingsunterkunft weiter. Die ersten der bis zu 1200 Flüchtlinge sollen „zeitnah“ einziehen. Das Heizproblem in den zugigen Hangars soll durch aufblasbare Traglufthallen gelöst werden. Zum Duschen sollen die Flüchtlinge das seit kurzem geschlossene Columbiabad nutzen, zu dem sie per Bus-Shuttle gebracht werden sollen.

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