Berlin : Flugbetrieb bis Mitternacht

SPD-Chef Müller weist Sorgen der Airlines zurück

Ulrich Zawatka-Gerlach

Große Fluggesellschaften wie Air Berlin oder Easyjet werden sich nicht aus Berlin zurückziehen, weil das Bundesverwaltungsgericht für den neuen Großflughafen in Schönefeld ein Nachtflugverbot verhängt hat. Davon ist der SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller fest überzeugt. „Ich bin sicher, dass sich die aufgeregte Debatte bald beruhigt“, sagte Müller im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Die Flughafengesellschaft (BBI), der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Wirtschaftssenator Harald Wolf stünden mit den Flugunternehmen „in engem und gutem Kontakt“.

Offensichtlich habe es sehr hohe Erwartungen an einen – möglichst durchgehenden – Nachtflugbetrieb gegeben. „Das lässt sich nicht realisieren, aber wir werden in Schönefeld mindestens die Bedingungen bieten können, die auch in Frankfurt/Main und München gelten“, versprach Müller. Damit meinte er Ausnahmegenehmigungen für die wirtschaftlich hoch interessanten „Randzeiten“ zwischen 22 und 24 Uhr und von 5 bis 6 Uhr. „Da wird es keine Einschränkungen geben.“ Der Flugbetrieb in diesen Zeitfenstern werde sich mit Sicherheit juristisch einwandfrei begründen lassen.

Nach Einschätzung Müllers wird sich die Situation mit dem Ausbau des Flughafens Schönefeld für die Fluggesellschaften sogar „eindeutig verbessern“. Dazu würden die hohen Abfertigungskapazitäten, die guten Verkehrsanbindungen, die neuen Umsteigemöglichkeiten und Direktflugverbindungen beitragen. Air Berlin, Easyjet und andere Low-Cost-Anbieter wollten ganz bestimmt auch in Zukunft mit dem Standort Berlin werben. „Von einem so herausragenden An- und Abflugziel verabschiedet man sich nicht so leicht“, sagte Müller.

Was mit dem Flughafengelände in Tempelhof und Tegel geschieht, wenn der Flugbetrieb 2007 beziehungsweise 2011 eingestellt wird, will der SPD-Politiker nicht vorschnell beantworten. Die Koalition werde sich nicht durch eine aufgeregte Nachnutzungsdiskussion unter Druck setzen lassen. Es gehe um die Zukunft riesiger innerstädtischer Flächen. „Das sind ganze Stadtteile.“

Berücksichtigt werden müsse auch, dass die Gebäude in Tempelhof unter Denkmalschutz stehen und großenteils dem Bund gehörten. Müllers Vorschlag: Beide Areale sollten künftig vor allem der Naherholung dienen. Gewerbe und Wohnen schließe das nicht aus. „Was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, sind groß angelegte Vergnügungsparks. So wollen wir die Flächen nicht verschenken.“ Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer hat angekündigt, noch 2006 eine „Zukunftskonferenz“ einzuberufen, auf der die Nachnutzung der Flughafengelände diskutiert werden soll.

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