Flughafen BER : Rot blinkende Ampeln

Lichtzeichen sind sinnvoll. Allerdings hängt ihre Wirksamkeit ganz entschieden davon ab, wer die Lichtzeichen steuert: Ein unbestechliches Gerät oder ein fehlbarer Mensch. Der Flughafen BER zeigt das eindrücklich. Unser Autor kanns beweisen.

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Gelb? Dunkelgelb?
Gelb? Dunkelgelb?Foto: dpa

Die erste Ampel der Welt stand 1868 vor dem Londoner Parlament. Sie lief mit Gaslicht und flog wenig später in die Luft. Damit war das Thema durch, bis in Amerika 1914 die erste elektrische Ampel aufgestellt wurde; ihre definitive Form mit den drei Farben rot-grün-gelb erreichte sie 1920 in Detroit und New York.

Berlin bekam seine erste 1924 am Potsdamer Platz. Bremerhaven, beispielsweise, zog erst 1957 nach, da sieht man den Vorsprung Berlins in allen wesentlichen Dingen.

Das geniale Grundkonzept Halten-Vorbereiten-Starten hat sich seit 1920 also nicht mehr verändert, nur die Detailentwicklung schritt voran, bescherte uns verschiedene, ideologisch vorgeprägte Ampelmännchen und die Erfindung des von niemandem ersehnten Worts „Lichtsignalanlage“.

Viele Ampeln sind seitdem wieder verschwunden, ersetzt durch den egalitären und verbrauchsgünstigen Kreisverkehr. Dafür hat sich das Konzept auf der metaphorischen Ebene durchgesetzt und kennzeichnet nun beispielsweise jede nur denkbare Koalition von drei Parteien als Jamaika-Ampel oder Schwampel oder was. Sobald die Piraten regierungsreif sind, kommt vermutlich noch die Pampel dazu.

Auch als moralisches Lichtzeichen gewinnt die Ampel an Bedeutung. Dem Schutz des Verbrauchers dient es angeblich, dass Fett und Zucker rot gekennzeichnet werden, Tofu und Tomaten dagegen grün – damit wechselt die Bedeutung der Ampel vom wertfrei organisatorischen Symbol zum mit Werturteilen aufgeladenen Gut-Schlecht-Signal. In dieser Form wurde sie auch in den Kontrollberichten des Flughafens BER eingesetzt: Grün bedeutete „Läuft“, Gelb hieß „Hängt ziemlich durch“ und Rot „Ach du Scheiße“.

Das Problem dieser an sich einprägsamen Symbolik bestand nun aber darin, dass die Farben nicht von einem unbeugsam neutralen Taktgeber, sondern von fehlbaren Menschen vergeben wurden. Sie hatten allen Grund, nicht zu viel Rot nach außen dringen zu lassen, weil sonst das Versagen ihrer Planung ebenso klar zutage getreten wäre wie das Versagen eines Autofahrers, der bei Rot Gas gibt und Schrott produziert.

Haben wir nun bei dem verzweifelten Versuch, den Flughafen bis nächsten März hinzubekommen, noch Verwendung für diese als subjektiv diskreditierte und somit wertlose Ampel? Man weiß es nicht genau. Eine Anleihe beim Land der Erfinder wäre ratsam: Dort, in Amerika, gibt es auch rot blinkende Ampeln. Nichts könnte besser zur Aufmerksamkeit beim Berliner Flughafenbau mahnen.

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