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Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld : BER-Eröffnung 2017 in Gefahr

Eigentlich sollte der BER 2016 fertig sein und ein Jahr später öffnen. Ob das klappt, ist fraglich. Das deutet der Flughafenchef an.

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Dieses Foto hat der langjährige Luftbildfotograf Dirk Laubner gerade erst für den Tagesspiegel vom BER gemacht.
Dieses Foto hat der langjährige Luftbildfotograf Dirk Laubner gerade erst für den Tagesspiegel vom BER gemacht.Foto: Dirk Laubner

Die geplante Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld 2017 gerät immer mehr in Gefahr. Im BER-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags schloss Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Freitag erstmals nicht aus, dass der Start erneut verschoben werden könnte. Ob der Termin stehe, lasse sich „nicht mit Ja oder Nein“ beantworten, sagte Mühlenfeld. Bisher hatte der Flughafen auch nach der Insolvenz des Gebäudeausrüsters Imtech erklärt, die Eröffnung 2017 sei „nicht gefährdet“. Jetzt hieß es, er könne noch nicht sagen, „ob das die Inbetriebnahme beeinflussen wird“.

Imtech ist aus einer Arbeitsgemeinschaft ausgestiegen

Aktuell liegt die Fertigstellung des Terminals laut Mühlenfeld bereits knapp drei Monate zurück, davon drei Wochen unmittelbar infolge der Insolvenz von Imtech. Und der Rückstand wird größer: „Da kommt noch etwas obendrauf.“ Wie viel? „Die tatsächliche Verzögerung kann ich erst sagen, wenn alle Mannschaften wieder vor Ort sind, wenn wieder koordiniert gearbeitet werden kann.“ Denn Imtech selbst, zuständig für die Elektroanlage, ist zwar inzwischen wieder „mit 80 Prozent“ seiner früheren Mannschaft auf der Baustelle. Doch Mühlenfeld informierte nun, dass Imtech aus der Arbeitsgemeinschaft mit der Firma Caverion (Arge IMCA) ausgestiegen ist, die im Terminal die Heizungs-, Sanitär-, Klima- und Sprinkleranlage baut. „Das ist das größere Problem.“ Imtech habe dort seine Leute abgezogen. Zwar mache Caverion allein weiter, sei auch perspektivisch ein verlässlicher Partner, so Mühlenfeld. Doch die Firma brauche „zwei bis drei Wochen“, um die Arbeiten mit eigenen Kräften allein wieder hochzufahren. Außerdem ist laut Mühlenfeld noch unklar, welche Auswirkungen die Imtech-Insolvenz auf die sogenannten Meilensteine anderer Firmen hat, etwa von Siemens, was weitere Verzögerungen bedeuten kann. „Was Imtech baut, beeinflusst auch den Umbau und die Steuerung der Entrauchungsanlage“, sagte der Flughafenchef.

"Die erste Verschiebung der Ära Müller"

Eigentlich sollten die Arbeiten im Terminal – aktuell ist die Hälfte geschafft – bis März 2016 beendet sein. Daraus wird nichts, „man kann bis März nicht drei Monate aufholen“, sagte Mühlenfeld. Bis Sommer 2016, spätestens bis Oktober, müsste der BER aber fertig werden, um 2017 noch zu eröffnen. Denn für Abnahme und Probebetrieb sind allein weitere zwölf Monate nötig. Nach Tagesspiegel-Informationen war intern geplant, den BER ab Sommer 2017 schrittweise in Betrieb zu nehmen. Der Vize-Aufsichtsratschef, Brandenburgs Flughafenstaatssekretär Rainer Bretschneider, nannte die Lage „sehr ernst“. Er halte es aber nach wie vor für möglich, den BER 2017 zu eröffnen.
Die Probleme schrecken auch die Politik auf. Der Berliner Grünen-Abgeordnete Andreas Otto forderte eine Erklärung des Regierenden und Aufsichtsratschefs Michael Müller (SPD), „wie es weitergeht“. Er sprach bereits von der „ersten Verschiebung in der Ära Müller“.

Wie sieht's denn hier aus? Rundgang über den BER
Muntere Ausflugsrunde. Wir stehen hier auf der Südbahn, gemeinsam mit den Tagesspiegel-Lesern vom "Checkpoint". Natürlich ist der rote Teppich ausgerollt, ganz rechts: unser Bus. Hinten links: Der Flughafen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 28Foto: Thilo Rückeis
02.03.2015 12:04Muntere Ausflugsrunde. Wir stehen hier auf der Südbahn, gemeinsam mit den Tagesspiegel-Lesern vom "Checkpoint". Natürlich ist der...


Bretschneider informierte im Landtag über neue Planungen der Flughafengesellschaft, wie das Kapazitätsproblem – der BER ist zu klein – gelöst werden soll. 2017 werden bereits 33 Millionen Passagiere erwartet, 2020 schon 37 Millionen. Der BER allein schafft anfangs nur 25 Millionen Passagiere. Um die Lücke zu schließen, soll neben dem alten Schönefelder Terminal, das fünf Jahre weitergenutzt werden soll, als Terminal D eine Leichtbauhalle entstehen. Und neben dem BER- Nordpier soll ein Interimsterminal entstehen. Auch für den Regierungsflughafen ist ein Provisorium geplant. Die Gesamtkosten der Maßnahmen bezifferte Bretschneider auf 600 Millionen Euro. Damit bewältige man das Wachstum bis 2025. Dann werde „BER II“ gebraucht, also ein zweites Terminal.

Lesen Sie mehr im Tagesspiegel: Sie planten den Tiergartentunnel, den ICE-Bahnhof Spandau und arbeiten auch an der U5. Ein Porträt der neuen BER-Generalplaner vom Ingenieurbüro Schüßler-Plan.

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