Flughafen Berlin-Brandenburg : Stau auf der A100: Da läuft was verkehrt am BER

Mit der Eröffnung des BER könnte Berlins Süden ein Verkehrschaos drohen. Flughafenchef Mühlenfeld informierte den Aufsichtsrat bereits im April über die drohende Staugefahr.

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Freie Bahn. Tagsüber so wenig Verkehr zum BER wie auf dieser Simulation wird es in der Realität wohl nur selten geben. 
Freie Bahn. Tagsüber so wenig Verkehr zum BER wie auf dieser Simulation wird es in der Realität wohl nur selten geben. Simulation: promo

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Innensenator Frank Henkel (CDU) sind nicht von den Studien überrascht worden, wonach im Süden Berlins nach der Eröffnung des neuen BER–Airports in Schönefeld ein Verkehrschaos droht. Nach Tagesspiegel-Recherchen standen im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) bereits in der Sitzung am 22. April 2016 Vorschläge von Flughafenchef Karsten Mühlenfeld zur Entschärfung der wegen des  Passagierwachstums absehbaren Stau- und Verkehrsprobleme auf der Stadtautobahn auf der Tagesordnung. Müller ist Vorsitzender des Aufsichtsrates und Henkel langjähriges Mitglied.

In einer Unterlage für alle Aufsichtsräte („Verkehrsanbindung BER/SXF“) präsentierte  Mühlenfeld eine Liste mit möglichen Maßnahmen und Empfehlungen für Verbesserungen der Anbindung. Die Notwendigkeit wurde damit begründet, dass das bisherige BER–Verkehrskonzept auf „veralteten Prämissen“ beruhe. Denn bisher ist dort weder das Passagierwachstum der letzten Jahre berücksichtigt, zum BER-Start 2018 werden es 34 Millionen Fluggäste sein, noch die inzwischen nötige Weiternutzung des alten Schönefelder Terminals aus DDR-Zeiten. Passiert ist offenbar nichts.

Staubildung bis nach Adlershof

Wie groß der Handlungsdruck ist, hat jetzt erst ein vom Tagesspiegel publik gemachtes, in privatem Auftrag erstelltes Verkehrsgutachten des Büros Hoffmann-Leichter offenbart, das vor Staus auf der Stadtautobahn und im Umfeld und deshalb langen und unberechenbaren Anreisezeiten nach der BER-Inbetriebnahme zum neuen Airport warnt.

Im elften Jahr wird der BER immer närrischer
Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.Weitere Bilder anzeigen
1 von 39Foto: Patrick Pleul/dpa
06.03.2017 08:02Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.

Konkret hält es der Flughafen nach den Vorschlägen vom April für erforderlich, dass mehr Züge zum BER fahren. Dies wäre nach dem Brandschutzkompromiss – ohne den es keine Baugenehmigung für die Fertigstellung des BER geben würde – allerdings erst nach 2019 möglich. Angeregt wird, nach Möglichkeiten zu suchen, den Britzer Tunnel nicht so oft sperren zu müssen. Das führe schon heute zu „regelmäßiger Staubildung bis nach Adlershof“, hieß es.

„Durch die Inbetriebnahme des neuen Flughafens wird sich diese Situation insbesondere in den Morgenstunden noch dramatisch verschärfen.“ Auch das prophezeit das Verkehrsgutachten. Sinnvoll wären, so der Flughafen, auch besser abgestimmte Ampelschaltungen etwa am Adlergestell, eine Neugestaltung der Auffahrt vom Tempelhofer Damm auf die Stadtautobahn, und eine bessere Anbindung der U 7, die bislang in Rudow endet, an den alten Schönefelder Airport und den neuen BER.

Dieser Senat sei „eben einfach unfähig“

Das rasante Passagierwachstum ist seit einigen Jahren bekannt. Dass der Senat nicht selbst eine aktualisierte BER-Verkehrsplanung in Auftrag gab, wundert zumindest die Linken und die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus nicht, die bisher auf der Opposititionsbank sitzen, aber gute Chancen auf eine Beteiligung am künftigen Senat haben.

Dieser Senat sei „eben einfach unfähig“, sagte Martin Delius, der frühere Chef des BER-Untersuchungsausschuss. Man müsse sich fragen, was die Flughafenkoordinierung unter Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup eigentlich mache. „Man verschließt die Augen vor der Wahrheit, wie vor 2012. Es hat sich offensichtlich nichts gebessert.“ Und Harald Moritz, der Grünen-Abgeordnete und früher Obmann im Untersuchungsausschuss sagt: „Eine ehrliche Bestandsaufnahme ist von diesem Senat nicht zu erwarten.“ Dass der Senat keine eigene BER-Verkehrsstudie machen ließ, erklärt er so: „Man will sich keine Probleme organisieren.“ Klar sei, dass man noch stärker auf den öffentlichen Nahverkehr zum BER setzen und den Bau der für eine bessere BER-Anbindung nötigen Dresdner Bahn beschleunigen müsse.

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