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Flughafen-Debakel : Rainer Schwarz „fehlte Kerosin im Blut“

16.01.2013 08:21 Uhrvon
Beliebt ist Schwarz im Unternehmen offenbar nicht. Offiziell will sich niemand äußern, genauso wenig wie Schwarz selbst.Bild vergrößern
Beliebt ist Schwarz im Unternehmen offenbar nicht. Offiziell will sich niemand äußern, genauso wenig wie Schwarz selbst. - Foto: dpa

Seit gut sechs Jahren amtiert Rainer Schwarz als Berliner Airport-Chef. Empfohlen hatte ihn der damalige Air-Berlin-Chef Hunold. Heute wird über seine Entlassung entschieden.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat auf die falschen Männer gesetzt. Der von ihm als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft auf den Sessel des Geschäftsführer gehievte und für den Ausbau des BER-Flughafens verantwortliche Manfred Körtgen musste bereits gehen. Heute soll der Sprecher der Geschäftsführung, Rainer Schwarz, folgen, der ebenfalls von Wowereit nach Berlin gelotst worden war.

Damit lag Wowereit mit seinen Personalentscheidungen, die aber auch vom gesamten Aufsichtsrat mitgetragen worden waren, gründlich daneben.

Dabei war Wowereit nach Tagesspiegel-Informationen gar nicht selbst auf Schwarz gekommen, der 2006 noch Chef des Flughafens in Düsseldorf war. Empfohlen hatte ihn demnach der damalige Chef von Air Berlin, Joachim Hunhold. Er kannte Schwarz von dessen Arbeit in Düsseldorf und vorher in Nürnberg, beides wichtige Standorte im Netz Air Berlins. Wowereit folgte dem Vorschlag und entschied sich gegen den damaligen für den Flughafen-Ausbau zuständigen Geschäftsführer Thomas Weyer, der gern die Gesamt-Geschäftsführung übernommen hätte. Zwei Jahre später ging der brüskierte Weyer dann zum Münchener Flughafen, und Wowereit machte Körtgen, dem Vernehmen nach gegen den Rat von Fachleuten, zu Weyers Nachfolger.

Schwarz soll für seine Arbeit in Berlin auch einen klaren Auftrag vom befreundeten Hunold erhalten haben: die Konkurrenten Easyjet und Ryanair klein zu halten. Und Schwarz war in der Tat kein Freund der anderen Billigfluglinien, er fand aber auch keinen Draht zu etablierten Gesellschaften wie der Lufthansa. Auch das Verhältnis zu Air Berlin soll sich schon vor dem Verschieben des Eröffnungstermins im Mai des vergangenen Jahres erheblich abgekühlt haben. Gerangel gab es unter anderem um die Gebühren – auch vor Gericht. Jetzt hat Air Berlin sogar eine Schadenersatzklage wegen des mehrfach verschobenen Eröffnungstermins eingereicht. Die Klage, die Schwarz gegen die von ihm fristlos gefeuerten Architekten angeschoben hat, soll am 16. Mai vor dem Landgericht in Potsdam verhandelt werden – wahrscheinlich ohne ihn.

Schwarz, 56 Jahre alt, promovierter Betriebswirt, habe „kein Kerosin im Blut“, heißt es. Er sei ein kühler Rechner; der Flugbetrieb interessiere ihn weniger. So habe er so gut wie keine Fluggesellschaft selbst dazu gebracht, nach Berlin zu kommen. Easyjet war als Platzhirsch in Schönefeld schon gelandet, weitere Gesellschaften seien gefolgt, weil die Initiative von ihnen ausging. Wichtiger war demnach für Schwarz der sogenannte Non-Aviation-Bereich mit den Einnahmen aus vermieteten Flächen. Hier war in Berlin nichts los, bis Schwarz kam. Die Flächen für Geschäfte und Lokale wurden seither verdoppelt; rund ein Drittel der Einnahmen stammen inzwischen aus diesem Geschäftsfeld. Am BER, wo die Passagiere zwangsweise den Verkaufsbereich durchqueren müssen, soll so die Hälfte der Einnahmen zustande kommen. Hier habe Schwarz den richtigen Kurs eingeschlagen, gibt es Lob aus dem Unternehmen. Allerdings ging die Expansion zulasten der Flächen für die Sicherheitskontrollen, die immer weiter in die Haupthalle rückten.

Beliebt ist Schwarz im Unternehmen offenbar nicht. Offiziell will sich niemand äußern, genauso wenig wie Schwarz selbst. Intern heißt es, er habe keinen Zugang zu den Mitarbeitern gefunden, vielleicht auch nicht finden wollen. Es ist ihm auch nicht gelungen, einen Kreis von Vertrauten um sich zu scharen, die auch ihre kritische Meinung hätten sagen dürfen. Wer mit einem Problem zu ihm gekommen sei, habe schnell ein Problem bekommen, sagen Insider. Mehrere – auch leitende – Mitarbeiter haben unter Schwarz das Unternehmen verlassen, darunter Elmar Kleinert, der Betriebsleiter in Tegel war und dann den Job als Flughafenchef in Paderborn vorzog. Jetzt ist er einer der Kandidaten, die als Nachfolger von Schwarz gehandelt werden. Dass Tegel funktioniert, ist nach Angaben von Insidern kein Verdienst von Schwarz, sondern von einem engagierten Team unter dem Bereichsleiter Andreas Deckert und der Betriebsleiterin Katy Krüger.

Statt bei Eis und Schnee sich um den Flugverkehr zu kümmern, habe Schwarz lieber seine Vorlesungen an der TH Wildau vorbereitet. Nachdem diese ihn zum Honorarprofessor ernannt hatte, ließ er sofort den Briefkopf ändern, lästert man im Unternehmen.

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