Flughafen : Demo am Himmel über Tempelhof

Für den 15. September ist ein Sternflug zum Flughafen mit 100 Maschinen geplant. Im Linienverkehr geht es dagegen weiter abwärts.

Rainer W. During,Klaus Kurpjuweit

Ein knappes Jahr vor der geplanten Schließung des Flughafens Tempelhof wollen Sportflieger aus ganz Deutschland und dem Ausland am 15. September mit einem Sternflug gegen die bereits verfügte Schließung des City-Airports zum 31. Oktober nächsten Jahres protestieren. Die 80 bis 100 Teilnehmer wollen hintereinander zwischen 12 Uhr und 14 Uhr auf dem Zentralflughafen landen. In diesem Zeitraum wird es dann laut über der Stadt.

Nach Angaben der Flugsicherung könnten die Sportflieger vor dem Landeanflug auch noch Runden über der Stadt drehen. Allerdings würde die Flugsicherung immer nur eine begrenzte Zahl von Maschinen gleichzeitig kreisen lassen, sagte der Sprecher der Luftraumkontrolleure in Berlin, Gerhard Schanz. Besondere Genehmigungen seien für den Sternflug nicht nötig, da es sich um einen „normalen Sportfliegerverkehr“ handele. Ähnlich sieht es auch die Luftfahrtbehörde bei der Stadtentwicklungsverwaltung.

Der gebürtige Berliner Sundus Rifaat, der heute in Hessen lebt, ist Initiator der fliegenden Demonstration. Er selbst geht seit 2002 beim Verein „Hessenflieger“ in Egelsbach bei Frankfurt in die Luft und hat sich im vergangenen Jahr seinen „großen Traum“, einmal selbst in Tempelhof zu landen, erfüllt. Dass der Flughafen auch für die allgemeine Luftfahrt geschlossen werden soll, können Rifaat und viele andere Piloten nicht verstehen. Deshalb sei die Resonanz groß gewesen, als der Sportflieger seine Idee zum Sternflug bekannt machte. Selbst aus Großbritannien, Österreich und der Schweiz haben sich Teilnehmer angesagt.

In kurzen Abständen werden die Piloten mit ihren kleinen Flugzeugen in Tempelhof landen, wo am 15. September auch eine Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft City Airport Tempelhof (ICAT) stattfindet. Sie hat ein Volksbegehren zum Weiterbetrieb von Tempelhof als Verkehrsflughafen initiiert. Die Sportflieger wollen den Bürgerentscheid mit ihrer Aktion unterstützen. „Ein Flughafen ohne Flugbetrieb ist etwas Totes“, sagte Rifaat.

Mit der Aktion wolle er auch an die Luftbrücke erinnern, deren 60. Jahrestag im kommenden Jahr begangen wird. Unterstützt werden die Piloten vom Verband der Allgemeinen Luftfahrt (AOPA), der sich ebenfalls für den Fortbestand von Tempelhof ausgesprochen hat.

Trubel gibt es bereits am Sonnabend beim „Erlebnistag Flughafen“, den die Flughafengesellschaft initiiert. Rundflüge mit dem „Rosinenbomber“ DC 3 oder dem größten noch fliegenden Doppeldecker „Antonov An 2“ sollen hier aber der Auftakt zum Abschied des Flugbetriebs sein, heißt es. Bis zur vorgesehenen Schließung soll es noch mehrere derartige Veranstaltungen geben.

Im Linienverkehr baut der Flughafen weiter ab. Im August flogen noch 22 941 Passagiere über Tempelhof; 53,3 Prozent weniger als im August 2006. Demnächst stellt auch Cirrus Airlines die Flüge nach Saarbrücken ein, weil Air Berlin die saarländische Stadt in den Flugplan aufnimmt – mit Start und Ziel in Tegel.

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