Flughafen-Desaster : „Das war nie ein Spaziergang“
16.08.2012 17:36 UhrHerr Wolf, Sie haben kürzlich im Parlament gesagt, angesichts des Flughafen-Debakels stelle sich die Frage, ob auch Sie als Ex-Senator und einstiges Aufsichtsratsmitglied der Flughafengesellschaft etwas versäumt haben. Haben Sie schon eine Antwort auf die Frage gefunden?
Nein. Es muss erst noch aufgeklärt werden, woraus die jetzigen Probleme resultieren. Der Aufsichtsrat hat immer sehr intensiv die Controllingberichte und mögliche Probleme mit der Geschäftsführung diskutiert.
Er ist also seiner Pflicht nachgekommen. Angesichts der Vielzahl der Probleme stelle ich mir heute trotzdem die Frage: Hätte man nicht an der einen oder anderen Stelle kritischer nachhaken müssen?
Und? Hätten Sie?
Im Nachhinein ist man immer klüger. Aber wenn im Controlling-Bericht die berühmte gelbe Ampel vermerkt ist, die für Probleme steht, und dann gleichzeitig diskutiert wird, welche Maßnahmen ergreifen wir, damit die Ampel wieder auf Grün kommt, dann ist der Aufsichtsrat zunächst einmal seiner Verpflichtung nachgekommen. Offensichtlich hat das aber nicht ausgereicht. Zumal man sich die Frage stellen muss: Ist der Aufsichtsrat immer korrekt informiert worden?
Wie oft hat der Aufsichtsrat mit Ihrer Beteiligung im Jahr getagt?
Mindestens vier Mal im Jahr, manchmal gab es auch noch Sondersitzungen.
Das Flughafen-Debakel in Bildern:
Und vier Sitzungen sollen reichen, um so ein gigantisches Projekt wie den Großflughafen ausreichend zu kontrollieren?
Das ist ja nicht alles. Zu den Aufsichtsratssitzungen kommen Anteilseignervorbesprechungen, die Referentenrunden aus Mitarbeitern des Bundes, Berlins und Brandenburgs und es gibt vor allem noch die Ausschüsse des Aufsichtsrates, die sich intensiv mit dem Projektfortschritt und der Finanzierung befasst haben, dem Aufsichtsrat berichten und Empfehlungen geben.
Also hat es Ihrer Ansicht nach ausgereicht, wie oft die Kontrollgremien getagt haben?
Die Häufigkeit ist nicht das Problem. Es geht um die Frage, ob Informationen, die uns von der Flughafen-Geschäftsführung vorgelegt wurden, korrekt waren.
Waren sie ja offenbar nicht, wie im Nachhinein bekannt wurde - fühlten Sie sich als Aufsichtsratsmitglied ausreichend informiert?
Zum damaligen Zeitpunkt ja. Aber im Nachhinein muss ich feststellen, dass die Informationen seitens der Flughafen-Geschäftsführung nicht ausreichend und nicht immer zutreffend waren.








































