Flughafen mit Problemen : Tegel ist mit dem Gepäck überfordert

Die Zahl der verschwundenen und beschädigten Koffer am Flughafen Tegel hat drastisch zugenommen. Einen Anstieg gab es vor allem beim Umsteigerverkehr.

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Kofferabfertigung am Flughafen. Die berühmten "kurzen Wege" in Tegel gelten nicht für das Gepäck.
Kofferabfertigung am Flughafen. Die berühmten "kurzen Wege" in Tegel gelten nicht für das Gepäck.Foto: dpa

Auf dem Flughafen Tegel wurden im Juli mit 1,72 Millionen Passagieren 8,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat abgefertigt. Und damit haben die Probleme, die es vor allem mit dem Gepäck gibt, weiter zugenommen. Fluggesellschaften beklagen sich, dass die Zahl der als verloren gemeldeten Koffer und Taschen drastisch zugenommen habe. Passagiere meldeten zudem verstärkt beschädigte Gepäckstücke. Die fürs Gepäck zuständige Gesellschaft Globe Ground bestätigt, dass es im Umsteigerverkehr einen „überproportionalen Anstieg“ bei den zurückgelassenen Gepäckstücken gibt, bei in Tegel beginnenden und endenden Reisen sei dies dagegen nicht der Fall.

Die auch schon vor dem unfreiwilligen Weiterbetrieb von Tegel zum Teil langen Wartezeiten aufs Gepäck nach der Landung haben sich nach Angaben von Insidern aber weiter verlängert. Entnervte Passagiere, denen die Wartezeit zu lange dauere, machten sich inzwischen häufig ohne Gepäck davon und ließen sich Koffer und Taschen nach Hause oder ins Hotel nachschicken. Die Kosten müssen die Fluggesellschaften tragen.

Durch die Zunahme des Verkehrs in Tegel, bedingt durch die Übernahme des für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg vorgesehenen Betriebs, leide der gesamte Abfertigungsprozess, sagte eine Sprecherin von Globe Ground. Vor allem Lufthansa und Air Berlin haben ihr Angebot erheblich ausgeweitet. Dafür sind die Anlagen in Tegel, die am 2. Juni abgeschaltet worden wären, wenn der neue Flughafen wie geplant in Betrieb gegangen wäre, nicht ausgerüstet. Zudem ist in Tegel beim Gepäck viel Handarbeit erforderlich – „unter räumlichen und technischen Einschränkungen“, wie die Globe-Ground-Sprecherin sagte. Tegel ist zwar ein Flughafen der kurzen Wege – aber nur für Passagiere, wie Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber sagt. Gepäck sei häufig sehr lange unterwegs.

Es gibt aber auch Vorwürfe, das Unternehmen setze zu wenig Personal ein. „Wir sind dabei, neue Mitarbeiter einzustellen“, sagte die Sprecherin. Globe Ground reagiere damit auf den „deutlich angestiegenen Flugverkehr“ sowie auf die erhöhten Umsteigeverbindungen. Vor allem Air Berlin ist dabei, Berlin zu einem Drehkreuz auszubauen. Und auch Lufthansa habe durch die neuen Europa-Strecken zur eigenen Überraschung Umsteiger gewonnen, sagte Weber.

Eine kleine Entlastung für den Betrieb könnte es geben, wenn europaweit die Sommerferien zu Ende sind. Urlauber fliegen nach wie vor mit viel Gepäck, auch wenn die meisten Fluggesellschaften inzwischen saftige Aufpreise ab dem zweiten Gepäckstück fordern. Im Herbst dominierten dann wieder Geschäftsreisende, die häufig nur mit Handgepäck unterwegs seien, heißt es am Flughafen.

Unklar ist weiter, wie lange der Notbetrieb in Tegel noch aufrechterhalten werden muss. Dass sich bereits am 16. August, auf der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats entscheiden wird, ob der vorgesehene Eröffnungstermin 17. März 2013 gehalten werden kann, wird immer unwahrscheinlicher. Nach Tagesspiegel-Informationen will der neue Technikchef der Flughafengesellschaft, Horst Amann, der auch den Ausbau in Schönefeld verantwortet, sich wahrscheinlich erst im September festlegen. Behauptungen, Gepäck verschwinde auch, weil Mitarbeiter es mitgehen ließen, wies die Sprecherin zurück.

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