Flughafen-Schließung : Flugsicherung bleibt länger in Tempelhof

Ende Oktober schließt der Flughafen Tempelhof. Die Anlagen der Flugsicherung bleiben länger.

Klaus Kurpjuweit

Tempelhof bleibt auch nach der Schließung am 30. Oktober Flughafen – zumindest nach außen. Selbst wenn kein Flugzeug mehr dort starten und landen darf, bleiben die Flugsicherungsanlagen nämlich zunächst erhalten. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) will ihre Antennen erst abbauen, wenn auch die letzten juristischen Verfahren um die Entwidmung von Tempelhof als Flughafen abgeschlossen sind, und die Flughafengesellschaft würde ihre Anlagen am liebsten stehen lassen, um die Abbaukosten zu sparen.

Mit Frank Zimmermann hat die Flugsicherung aber immerhin bereits einen Beauftragten für den Abbau der Anlagen ernannt. So wird zum Beispiel das Instrumentenlandesystem (ILS), dessen Antennen jeweils am Kopf der Startbahn installiert sind, nicht einfach abgerissen und auf den Schrott geworfen. Die hochwertigen Sender und Empfänger werden ausgebaut und wandern ins Ersatzteillager der Flugsicherung in der Zentrale in Langen.

Das Abbauen dieser Anlagen werde mehrere Monate dauern, sagte Zimmermann, weil die Teile fachmännisch demontiert werden müssten. Dafür werden per Ausschreibung Fremdfirmen gesucht. Wiederverwendet werden sollen auch Teile der Kontrollsysteme im Tower, von dem aus der Verkehr der Flugzeuge am Boden gesteuert worden ist. Der große Kontrollraum, von dem aus der gesamte Flugverkehr im Osten Deutschlands kontrolliert worden war, musste schon vor Jahren leer geräumt werden. Die Flugsicherung hatte Standorte geschlossen. Die Aufgaben von Tempelhof wurden nach Bremen delegiert.

Weiter in Betrieb bleibt die kaum sichtbare Antennenanlage auf dem Dach des Flughafengebäudes für den Richtfunk, über den die Lotsen in Tegel und Schönefeld Kontakt zu den Piloten im Cockpit aufnehmen. Diese Antennen werden erst nach dem Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld durch eine neue Anlage ersetzt.

Länger stehen bleiben könnten auch die Anlagen für die sogenannte Anflugbefeuerung, die von der Autobahn oder der S-Bahn aus gut zu erkennen sind. Für diese gelben Stahlkonstruktionen ist die Flughafengesellschaft zuständig – wie auch für die Lampen an den Start- und Landebahnen. Sie werden von den Lotsen nur bedient – bis zum 30. Oktober. Dann schalten die diensthabenden Lotsen die Lampen zum letzten Mal aus.

Ob und wann sie und die Anflugbefeuerung demontiert werden, stehe noch nicht fest, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel. Da der Abbau mit hohen Kosten verbunden sei, könne man auch überlegen, diese Anlagen stehen zu lassen.

Stehen bleibt auf jeden Fall der Radarturm mit seiner weißen Kuppel am Columbiadamm. Er war von den Amerikanern als Abhörstation gebaut worden, die Signale auch weit im Osten auffangen konnte. Nach dem Abzug der Alliierten übernahm die Bundeswehr die Zuständigkeit für den Radarturm, der mit dem Flugbetrieb nichts zu tun hatte und hat. Klaus Kurpjuweit

Countdown für Tempelhof – unsere tägliche Serie. Morgen lesen Sie, was aus einem der alliierten Soldaten wurde.

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