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Flughafen Tegel : Falscher Ebola-Alarm löste Großeinsatz aus

Eine unerfreuliche Ankunft in Berlin hatten die Passagiere eines Air-Berlin-Fluges am Donnerstag. Wegen Ebola-Alarms durften sie stundenlang nicht aussteigen. Und das nur, weil sich ein Flughafen-Mitarbeiter gründlich geirrt hatte.

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Am Flughafen Tegel verursachte ein vermeintlicher Seuchenalarm einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Gesundheitsdienst.
Am Flughafen Tegel verursachte ein vermeintlicher Seuchenalarm einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Gesundheitsdienst.Foto: imago

Einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Gesundheitsdienst hat am Donnerstagnachmittag ein vermeintlicher Seuchenalarm auf dem Flughafen Tegel verursacht. Nachdem ein Amtsarzt die erkrankte Reisende an Bord einer Maschine der Air Berlin untersucht hatte, konnte Entwarnung gegeben werden.

Die aus Norwegen stammende Frau hatte über Übelkeit, Erbrechen und Atemnot geklagt. Daraufhin war von der Besatzung des aus dem sizilianischen Catania kommenden Jets der Rettungsdienst in Tegel verständigt worden. Irgendwo auf dem Meldeweg muss dann der Verdacht auf das derzeit in Westafrika grassierende, hochinfektiöse Ebola-Fieber geäußert worden sein. Wie der Gesundheitsstadtrat des zuständigen Bezirks Reinickendorf, Uwe Brockhausen (SPD), erklärte, ist diese Information nicht von der Besatzung der Maschine oder aus Kreisen der Passagiere, darunter einem zufällig mitreisenden Arzt, gekommen. Nach Tagesspiegel-Informationen hatte ein Flughafen-Mitarbeiter außerdem geglaubt, Catania - woher die Maschine kam - liege in Westafrika, dem Ausbruchsort der Epidemie.

So soll der Flughafen Tegel bebaut werden
Wenn TXL einmal geschlossen wird. Wohnungen für 5000 Menschen (links, weiße Blöcke) sollen dort im Osten des Flughafens einmal entstehen. Das Quartier zieht sich vom Terminal bis zum Schumacher-Platz (rechts), wo heute die Busse enden.
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1 von 80Foto: Ralf Schönball, Imago
07.06.2016 11:23Wenn TXL einmal geschlossen wird. Wohnungen für 5000 Menschen (links, weiße Blöcke) sollen dort im Osten des Flughafens einmal...

Quarantänestation 2008 abgebrannt

Das Stichwort löste jedoch sofort einen Seuchenalarm aus. Die Maschine wurde in einen Hangar fernab vom Terminal dirigiert, niemand durfte das Flugzeug verlassen. Feuerwehrleute und ein Amtsarzt gingen in Schutzanzügen an Bord und untersuchten die Reisende. Symptome einer Infektionskrankheit konnten nicht festgestellt werden, sagte Brockhausen. Die Reisende war auch nicht in Afrika. Sie kam dennoch in ein Krankenhaus, die übrigen Passagiere konnten das Flugzeug nach rund zwei Stunden verlassen und die Heimfahrt oder Weiterreise antreten. Einige der 155 Menschen an Bord seien in Hotels untergekommen.

Hätte die Besatzung selbst den Verdacht auf eine Infektionskrankheit an Bord gehabt, hätte das Flugzeug in Berlin überhaupt nicht landen dürfen. In solchen Fällen muss ein Flughafen angesteuert werden, der über eine Quarantänestation verfügt. Der nächstgelegene, entsprechend ausgestattete Airport ist Hamburg-Fuhlsbüttel. In Tegel ist die Sanitätsbaracke 2008 abgebrannt und wurde nicht ersetzt, weil man damals noch an eine baldige Eröffnung des neuen Flughafens BER glaubte. Bei akuter Lebensgefahr eines Passagiers kann es aber auch zu Ausnahmen kommen, heißt es in Fachkreisen.

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