Berlin : Flughafen Tegel: Unruhe bei Anwohnern wegen des Ausbaus

Rainer W. During

Der geplante Eröffnungstermin für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) ist wegen der Verzögerungen beim Planfeststellungsverfahren "möglicherweise nicht zu halten". Das sagte Verkehrs-Staatssekretärin Maria Krautzberger am Donnerstagabend auf einer Diskussionsveranstaltung der Spandauer SPD. Bis Ende 2002 sei der Beschluss nicht mehr zu schaffen, "es wird mit Sicherheit 2003 werden". BBI-Projektsprecher Burkhard Kieker geht dagegen weiterhin von einer Inbetriebnahme am 1. November 2007 aus. Mit der zwei- bis dreimonatigen Verlängerung des Verfahrens liege man noch in der Zeit. Weitere Verzögerungen dürfe es aber nicht geben.

Auf Skepsis beim Publikum stieß die Staatssekretärin mit ihrer Ansicht, dass die Erweiterung der Passagierkapazität Tegels nicht zu mehr Flugbewegungen führen wird. Ausbau oder Schließung des am stärksten frequentierten Berliner Luftbahnhofs war das eigentliche Thema der Diskussion. Die westliche Einflugschneise führt über Spandau. Um den neuen Großflughafen erfolgreich werden zu lassen, müsse bereits jetzt die Wirtschaftlichkeit des Flughafensystems gewährleistet werden, sagte die Kommunalpolitikerin vor dem Hintergrund der anstehenden Privatisierung der Betreibergesellschaften.

Der Senat steht zum Konsensbeschluss der Flughafen-Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg, Tegel bei der BBI-Eröffnung und Tempelhof bereits früher zu schließen, bekräftigte Maria Krautzberger. SPD-Bezirkschef Swen Schulz wünschte sich da klarere Bekenntnisse auch von den CDU-Regierungsmitgliedern. Wegen der Wirtschaftlichkeit sollte der neue auch der einzige Flughafen sein. Aber bis zur Eröffnung müssten Tegel und Tempelhof offen bleiben, skizzierte Christian Wiesenhütter die Position der Industrie und Handelskammer. Johannes Hauenstein von der Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen warf dem Senat dagegen vor, die BBI-Pläne zu torpedieren, da noch immer kein Schließungsantrag für Tegel gestellt ist. Er kündigte eine Klage gegen die Erweiterung der Kapazität an.

Neben Vertretern von Politik und Initiativen hatten nur wenige "Normalbürger" den Weg in den Ratskeller gefunden. Zwar sind die Flugzeuge generell leiser geworden, doch kann man noch immer nur mit geschlossenen Fenstern leben, klagte eine Frau aus Reinickendorf. Auch wenn Tegel in sieben Jahren geschlossen wird, sind bis dahin weitere Lärmschutzmaßnahmen nötig, forderte TU-Professor Christian Maschke.

Die Diskussion um die Standortfrage wurde erneut durch Ferdi Breidbach entfacht. Der Vertreter des Bürgervereins Brandenburg-Berlin (BVBB), der mit über 4000 Mitgliedern und 128 000 Einwendungen gegen den Großflughafen Schönefeld kämpft, warf der West-Berliner Bürgerinitiative vor, das "Elend" der Anwohner von Tegel "auf 150 000 Menschen in Schönefeld" verschieben zu wollen. In Tegel seien rund 390 000 Anlieger betroffen, in Schönefeld nur 30 000, hielt Johannes Hauenstein dagegen. So sei der BBI das kleinere Übel, am Alternativ-Standort Sperenberg seien es allerdings nur 1900 Betroffene.

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