Flughafen Tempelhof : 37 Tage von Berlin nach Peking

Ende Oktober schließt der Flughafen Tempelhof. Bereits 1926 startete die Lufthansa in Richtung China.

Klaus Kurpjuweit

Tempelhof und die weite Welt. Die Entwicklung des Flughafens zu einem Standort für interkontinentale Verbindungen begann schnell – und endete abrupt. Schon in ihrem Gründungsjahr hatte die Lufthansa 1926 versucht, von Tempelhof aus Flüge nach Fernost aufzunehmen; nur drei Jahre, nachdem der Flughafen am 8. Oktober 1923 eröffnet worden war. Tempelhof war Heimatflughafen der neu geschaffenen Lufthansa. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Der erste planmäßige Flug der Lufthansa startete am 6. April 1926 und führte über Halle, Erfurt und Stuttgart nach Zürich, das damit auch das erste Auslandsziel war. Mutig ging es weiter. Im Mai gab es mit den Flügen von Tempelhof nach Königsberg bereits die ersten Nachtflüge. Und schnell folgte eine Verbindung bis nach Moskau, eine ungewöhnlich weite Strecke für die damalige Zeit, als die Flugzeuge nur kurze Strecken zurücklegen konnten, weil sie bereits nach einer kurzen Flugzeit wieder aufgetankt werden mussten.

Aber der Ehrgeiz war groß. Die Lufthansa wollte damals auch schnell nach Peking fliegen. Heute hat sie diese Strecke der chinesischen Hainan Airlines überlassen, die seit September Tegel und Peking verbindet. 1926 zeigten die Lufthanseaten Pioniergeist und wagten den Flug von Berlin nach Fernost. Für die rund 10 000 Kilometer lange Strecke waren zahlreiche Zwischenstopps erforderlich, die alle vorbereitet werden mussten. Unter anderem galt es, die Landeplätze mit Treibstoff und Öl zu versorgen. Zudem wurden drei technische Teams mit Reservemotoren, weiteren Ersatzteilen und Werkzeug nach Sibirien und China geschickt. Am 24. Juli schließlich war es so weit: In Tempelhof hoben zwei Junkers G 24 mit Flugziel Peking ab, wo sie am 30. August (!) landeten. Die reine Flugzeit betrug dabei 72 Stunden. Die Eisenbahn brauchte für diese Strecke damals – ähnlich wie heute – 15 Tage, und ein Schiff war sogar 42 Tage unterwegs.

Der gewünschte Linienverkehr aber scheiterte. In China gab es damals Bürgerkrieg, und auch in der Mandschurei ließ ein Krieg das Überfliegen nicht zu. Der Flug aus Tempelhof trug aber wesentlich dazu bei, dass Lufthansa eine „Europäisch-Asiatische Luftpost-Aktiengesellschaft (Eurasia) gründen konnte, die Stecken in China flog.

Bis zum Krieg blieb Tempelhof der verkehrsreichste Flughafen in Europa, verbunden mit der ganzen Welt. Heute heißen die Ziele auf der Abflugtafel Brüssel, Friedrichshafen, Graz und Mannheim. Die Stadt in Baden ist auch Ziel des letzten Linienflugs ab Tempelhof. An Peking ist hier schon lange nicht mehr zu denken. Klaus Kurpjuweit

Countdown für Tempelhof. Morgen lesen Sie: Was aus den Fluglotsen wird.

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