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Flughafen Tempelhof : Aktivisten: Platz für sechs Flüchtlings-Hallen auf dem Vorfeld

Platz ist genug für Notunterkünfte am Airport. Initiatoren des Volksentscheids legen Pläne vor. Auch Piraten lehnen Änderung Tempelhof-Gesetzes ab.

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Platz genug? Das Vorfeld des ehemaligen Flughafen Tempelhof ist 230 Hektar groß.
Platz genug? Das Vorfeld des ehemaligen Flughafen Tempelhof ist 230 Hektar groß.Foto: AFP

23 Hektar ist es groß, das Vorfeld des Flughafen Tempelhof - und für die Initiatoren des Volksentscheids gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes mit Wohnungen - die Initiative 100% Tempelhofer Feld - ist das der beste Platz für den Aufbau von Notunterkünften für Flüchtlinge. Zumal das Vorfeld nicht durch das Tempelhof-Gesetz vor Veränderungen geschützt ist.

Ein weiterer Vorteil: Mit dieser Lösung ist nicht zu befürchten, dass aus den Provisorien auf den geschützten Flächen Dauernutzungen werden. Bis zu sechs Hallen mit Platz für bis zu 750 Flüchtlingen könnten hier aufgebaut werden. Ihre Vorschläge wollen die Aktivisten den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses vorlegen und appellierten an diese: "Jeder Abgeordnete muss sich die Frage stellen, ob er ein Volksgesetz kippen will – oder den Weg der Vernunft geht", so die Mitverfasserin des Tempelhof-Gesetzes Christiane Bongartz.

Piraten sagen "Neuauflage des Masterplans für Bebauung des Feldes" voraus.

Dass andere Absichten als nur eine zeitweilige Nutzung des Feldes bestehen, befürchten sowohl die Aktivisten als auch die Piraten: "Wenn der Senat eine Änderung des THF-Gesetzes plant, hat das nichts mit der Unterbringung von Flüchtlingen zu tun. Es handelt sich eindeutig um die Absicht, nach Ende der Flüchtlingsunterbringung eine Neuauflage des Masterplans für die Bebauung des THF zu ermöglichen", so Bruno Kramm, Vorsitzender der Piraten-Partei.

Ähnlich äußerte sich Christiane Bongartz, Mitverfasserin des Tempelhof-Gesetzes: Die Pläne des Senats seien "eine Bauvorbereitung für die Zeit nach der Änderung des Tempelhof-Gesetzes". Die teuren Infrastrukturmaßnahmen zur Erschließung der beiden Baufelder am Tempelhofer Damm sowie am Rande von Neukölln sollten "über die Flüchtlinge abgerechnet werden".

Absichten des Senats kamen nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit

Wie berichtet hatte der Senat scheibchenweise seine Absichten zur Nutzung des Tempelhofer Feldes für "provisorische Notunterkünfte" öffentlich gemacht. Zunächst hatte Baustaatssekretär Christian Gaebler bei einer öffentlichen Veranstaltung auf dem Areal von Bürger erklärt, nur eine Fläche am Tempelhofer Damm wolle die Verwaltung für Flüchtlingsunterkünfte nutzen. Zwei Tage später brachte Bausenator Andreas Geisel (SPD) außerdem noch eine "Reservefläche" am Rande von Neukölln als zusätzliches Grundstück ins Gespräch. Genau diese Absicht hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bereits im Manuskript seiner Regierungserklärung aufgenommen, aber im Parlament dann doch nicht ausgesprochen.

Senat will 29 Hektar Grünfläche nutzen, Aktivisten bieten ein Vielfaches davon an

Der Sprecher der Senatsverwaltung für Bauen Martin Pallgen sagte auf Anfrage: "Das Vorfeld wird eine zentrale Funktion bei der Abwicklung der Logistikverkehre zur Ver- und Entsorgung und Lagerung übernehmen müssen", da bald "mehr als 5000 Menschen in den Hangars des Flughafens leben". Die Versorgung mit Frischwasser und die Entsorgung von Abwasser auf dem Flugvorfeld sei nur mit erheblichem technischen Aufwand möglich. Die massive betonierte Fläche des Vorfeldes stehe unter Denkmalschutz. Alle Medien müssten über der Oberfläche frostsicher über große Strecken entlanggeführt werden. Abwässer müssten in Sanitärtanks vorbehandelt und aufgefangen werden. Die Entsorgung müsste unter Frostschutzbedingungen und mittels regelmäßigem Abpumpen erfolgen.

Doch dies halten die Aktivisten für vorgeschoben: Ein Eingriff in die Bodendenkmalbereiche sei nicht erforderlich, weil unter dem Vorfeld des Flughafens ein "Hauptkanal" zur Ableitung von Regenwasser verlaufe. In diesem unterirdischen Kanal könnten die Leitung zur Versorgung von Hallen mit Wasser, Strom und Wärme durchgeleitet werden. Weitere Vorteile des Vorfeldes: Dieser bestehe aus einer ebenen, versiegelten Fläche, deren Untergrund tragfähig sei. Es gebe sichere Zugänge und Zufahrten. Diese zu nutzen, sei allemal preiswerter als die Erschließung der vom Senat befürworteten Flächen, wo die Aktivisten Kampfmittel vermuten und die Verwaltung den Aufbau einer Lärmschutzwand wegen des tosenden Verkehrs ins Gespräch gebracht hatte.

Auch Versorgungsleitungen fehlten auf dem Feld sowie am Rande des Tempelhofer Damms vollständig, so die Aktivisten weiter. Die Hanglage mache eine Erschließung schwierig. Kurzum, nur für ein "Strohfeuer" gut seien die bisher vom Senat bevorzugten Flächen am Tempelhofer Damm und am Rande Neuköllns, so die Position der Aktivisten: Von den 29 Hektar seien nur 15.000 Quadratmeter tatsächlich nutzbar.

Derzeit wohnen bereits rund 2000 Flüchtlinge in den ehemaligen Hangars des Flughafengebäudes. Drei weitere Hangars werden derzeit vorbereitet. Der Senat plant, am Rande des Feldes, weitere mobile Unterkünfte (Traglufthallen) aufzustellen.

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