Flughafen Tempelhof : Einigung mit dem Bund kommt vielleicht noch 2007

Für die umstrittene Zukunft des Flughafens Tempelhofs gibt es vielleicht doch noch einen Chance auf einen Kompromiss zwischen dem Bund und dem Land Berlin. Experten feilschen um Details.

Trotz des Streits zwischen dem Bund und Berlin über die Hauptstadtfinanzierung und den Flughafen Tempelhof bestehen offenbar Chancen, die Verhandlungen noch vor Weihnachten positiv abzuschließen. So hieß es gestern in Koalitionskreisen. Der Senatssprecher Günter Kolodziej sagte nur: „Es gibt von beiden Seiten den Willen und die Bereitschaft, zu einem Ergebnis zu kommen.“

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) präzisierte dies nach der Sitzung der Landesregierung: Die Verhandlungsergebnisse zur Staatsoper und hauptstadtbedingten Sicherheit seien „abschlussfähig“. Bei der Übernahme des Flughafens Tempelhof gebe es noch Gesprächsbedarf über den Kaufpreis und die Ausgestaltung der Besserungsklausel (Beteiligung des Bundes an späteren Wertsteigerungen der Immobilie). Außerdem will Berlin, dass notwendige Investitionen in das 386 Hektar große Areal inklusive Flughafengebäude mit den Forderungen des Bundes verrechnet werden.

Es wird jetzt also auf Verwaltungsebene um Details gefeilscht. Das machen die Chefin der Senatskanzlei, Barbara Kisseler, und der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Werner Gatzer. Senator Wolf hielt sich mit amtlichen Prognosen zurück und wollte keinen Termin für das Ende der Gespräche nennen: „Ein gutes Ergebnis geht vor Eile.“ Aber er schlug erkennbar versöhnliche Töne an. Jede Verhandlung berge das Risiko des Scheiterns. „Aber mit diesem Ziel werden sie nicht geführt.“

Zur Behauptung des Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD), dass in der Flughafenimmobilie schon die Maden stecken und das Grundstück einen Wert von „bestenfalls null“ habe, sagte Wolf: „Die Maden-Äußerung hält keinem Sachverständigengutachten stand.“ Richtig sei, dass der Ertragswert des Flughafenareals derzeit im negativen Bereich läge. Aber für die Zukunft könne man sich vorstellen, dass es eine sehr wertvolle Immobilie werde. Die Vermarktung werde sicher nicht einfach sein, aber das Grundstück und das Gebäude seien für viele Zwecke verwendbar.

Die Ankündigung des US-Investors Ronald S. Lauder, sein Angebot zu erneuern und aus Tempelhof ein privates Gesundheitszentrum mit angeschlossenem Flugbetrieb zu machen, wurde in der Senatssitzung nicht thematisiert. „Uns liegt ein solches Angebot nicht vor“, sagte Senatssprecher Kolodziej. Auch die Forderung des CDU-Fraktionschefs Friedbert Pflüger und des FDP-Landesvorsitzenden Markus Löning, den Flughafen Tempelhof offen zu halten, stieß bei Rot-Rot auf Granit.

Die Einstellung des Flugbetriebs sei eine einvernehmliche Entscheidung der drei Gesellschafter des Großflughafens Schönefeld (BBI) – Berlin, Brandenburg und der Bund – gewesen, erinnerte Wolf. „Daran hat der Bund bisher auch nicht gerüttelt.“ Pflügers Forderungen seien eine parteipolitisch motivierte Kampagne und kein ernsthafter Beitrag zu den schwierigen Verhandlungen. Dagegen begrüßte der FDP-Chef Löning das anhaltende Interesse privater Investoren am Flughafen Tempelhof. Der Senat müsse endlich zur Vernunft kommen und den Schließungsbeschluss zurücknehmen. za

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