Flughafen Tempelhof : Mehdorn wirbt in der Wirtschaft für VIP-Airport

Das Volksbegehren zum Tempelhofer Flughafen läuft. Geht es nach Bahnchef Hartmut Mehdorn, ist die Zukunft des Airports schon entschieden. Er unterstützt das US-Klinikkonzept mit eigener Start- und Landebahn - und sucht eifrig prominente Mitstreiter.

Stefan Jacobs

Bahnchef Hartmut Mehdorn wirbt bei Spitzenleuten in der Wirtschaft für die Offenhaltung von Tempelhof als „Sonderflughafen für Privat- und Geschäftsverkehr“. Unterstützer sollen eine vorbereitete Seite mit ihren Kontaktdaten zurückfaxen, auf der als Fußnote steht: „Sie sichern sich eine First-Call-Option im Rahmen des realisierten Konzepts.“ Der zugehörige Verteiler umfasst 174 Adressaten aus namhaften Konzernen und Vereinen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann über die Vorstandschefs von Air Berlin, Vattenfall, Siemens und TUI bis zu DFB-Präsident Theo Zwanziger.

In dem auf den 7. März datierten Anschreiben auf dienstlichem Briefpapier des Bahn-Vorstandschefs heißt es unter anderem: „Wir als Wirtschaftsentscheider können im Vorfeld des Volksentscheides ein positives Signal setzen.“ Allerdings bezieht sich Mehdorns Werbung ausdrücklich auf das von den US-Investoren Fred Langhammer und Ronald Lauder gewünschte Konzept eines VIP-Flughafens mit Klinikzentrum. Dagegen fordert die Interessengemeinschaft Icat als Initiatorin des laufenden Volksbegehrens die Offenhaltung als Verkehrsflughafen. Als reiner Geschäftsflughafen wäre Tempelhof nach Ansicht der Icat nicht rentabel zu betreiben.

Informationen, wonach es für Mehdorns Initative keinen Vorstandsbeschluss gibt, wollte die Bahn nicht bestätigen. Auch das Bundesverkehrsministerium wollte den Brief des Bahnchefs gestern nicht bewerten. Das Schreiben richtet sich zumindest indirekt gegen den Bund als Eigentümer der Bahn, der im sogenannten Konsensbeschluss 1996 mit Berlin und Brandenburg die Schließung von Tempelhof zugunsten des Flughafens BBI vereinbart hat. Ein Ministeriums-Sprecher stellte jedoch klar, man stehe weiter zum Konsensbeschluss.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) äußerte sich offiziell nicht. Senatssprecher Richard Meng sagte, man wolle weiter fair mit der Bahn zusammenarbeiten, bezeichnete die Aktion jedoch als „sehr merkwürdig“. In der SPD war von einem „Privatkrieg“ Mehdorns gegen den Senat die Rede. Die Linke sprach von einer „Unverfrorenheit“ und will das Thema im Abgeordnetenhaus zur Sprache bringen. Stefan Jacobs

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