Flughafen Tempelhof : Soziokulturelle Liegewiese

Feuerspucker, Einradfahrer - und Mairevolutionäre? Bernd Matthies über den absehbaren Kampf ums Tempelhofer Flughafengelände.

Bernd Matthies
Bernd Matthies
Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Ob die Tempelhofer Mieter das seltsame Flugblatt der „Gewobag Kapitalverwaltungs- und Mieterhöhungsgesellschaft“ wohl alle als ironisch begriffen haben? Wer es umdreht, der erfährt, dass das Mieterhöhungsbegehren in Wirklichkeit zum großen Zaunüberwinden aufruft. Das nächste Großprojekt der linken Spießerszene besteht offenbar darin, eine Bebauung des Flughafenareals zu verhindern, weil die angeblich in ganz Tempelhof die Mieten hochtreibt.

Der Senat wäre wohl froh, wenn er ein Projekt hätte, das auch nur einen Hauch dieser so bedrohlichen Wirkung zu entfalten verspricht. Trotzdem ist schon jetzt absehbar, dass auch am Flughafen wieder jenes Blockadespiel gespielt wird, das schon das Mediaspree-Projekt in Kreuzberg so nachhaltig beeinträchtigt.

All das wäre noch auszuhalten, wenn aus der Szene mehr käme als die Forderung nach neuen soziokulturellen Liegewiesen für Feuerspucker und Einradfahrer. Allerdings: Das Flugfeld wäre ein idealer Austragungsort für den nächsten Anlauf zur Revolution am 1. Mai. Unter diesem Aspekt könnte man sich mit den Zaunüberwindern sogar anfreunden.

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