Flughafenbau : Erwartungen an den Mittelstand

Mittelständische Unternehmen sollen sich mehr an den Ausschreibungen zum neuen Flughafen Berlin Brandenburg International beteiligen. Der Mittelstand verweist auf hohen bürokratischen Aufwand.

Schönefeld - Nach dem Willen des Berliner Wirtschaftsstaatssekretärs Volkmar Strauch sollen sich mittelständische Unternehmen der Region beim Bau des Flughafens stärker engagieren. "Die regionale Wirtschaft muss sich im Wettbewerb durchsetzen", sagte Strauch in Schönefeld auf einer Mittelstandskonferenz zum Thema Flughafen-Sicherheit. Die Länder Berlin und Brandenburg sorgten dafür, dass mittelständische Unternehmen eine faire Chance bei der Auftragsvergabe erhielten. "Die Firmen müssen die Chancen allerdings auch ergreifen", betonte Strauch. In vielen Fällen werde sich der Mittelstand zu Konsortien zusammenschließen müssen.

Dem vor sechs Monaten gegründeten Mittelstandskonsortium Flughafen-Sicherheit gehören rund 50 regionale Unternehmen zumeist aus der Informationstechnologiebranche (IT) an. Auf der Konferenz wurden unterschiedliche Sicherheitskonzepte für den Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) wie Passagierabfertigung, Gepäckmanagement und Terminalsicherheit diskutiert.

Strauch wies darauf hin, dass beim BBI-Bau eine Vielzahl von sicherheitsrelevanten Ausschreibungen erfolgen werde - die meisten allerdings durch Generalunternehmer. Diese erhielten insgesamt 15 Hauptaufträge, so genannte Lose. Rund 15 Prozent der Gesamtinvestitionen zum Flughafenbau in Höhe von 1,9 Milliarden Euro entfielen auf Sicherheitsvorkehrungen. Bislang seien 80 Prozent der BBI-Aufträge an Firmen in der Region vergeben worden, so Strauch und fügte hinzu: "Wir können diese hohe Quote aufrechterhalten." Er verwies darauf, dass unter den Auftragnehmern in der Region auch Niederlassungen von Bau-Konzernen mit Hauptsitz in den alten Bundesländern seien.

IT-Unternehmen könnten Aufträge in zweistelliger Millionenhöhe erhalten

Auch Rudi Grimm, Sprecher des Mittelstandskonsortiums, rechnet mit sicherheitsbezogenen Aufträgen für mittelständische IT-Unternehmen beim BBI-Bau. Grimm nannte Zahlen in einer Größenordnung zwischen drei und 33 Millionen Euro. Unlängst hatte ein regionales Unternehmen die Ausschreibung zur Sicherung der Großbaustelle für sich entschieden.

Mit einem intelligenten Gepäckmanagement könnten Airlines weltweit drei Milliarden Euro sparen, sagte Grimm. Wenn die Einrichtung eines solchen Systems am BBI gelingt, kann das Projekt zu einem Exportschlager werden und somit die IT-Branche in der Region stärken.

Grimm kritisierte, ein Eintrag in das Bieterverzeichnis der Flughafen Schönefeld GmbH in Cottbus sei für viele Unternehmen mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. Bislang hätten sich 500 Firmen dort registrieren lassen. Die Bedeutung des Verzeichnisses dürfe jedoch nicht überschätzt werden, sagte Grimm. So führe der Baukonzern Hochtief 5500 Subunternehmen in seiner Datei. Carsten Enneper vom Potsdamer Wirtschaftsministerium räumte ein, dass die Software zur Registrierung von Bietergemeinschaften erst jüngst installiert wurde. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass das Registrierungsverfahren Anfang 2007 besser funktionieren werde. (tso/ddp)

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