Fluglärm : Gelassenheit in Pankow

Alle fünf Minuten ein Jet– doch jeder Lkw ist lauter: In Pankow gehen die Anwohner gelassen mit dem Fluglärm um. "Bald endet der Spuk ja für immer", so die einhellige Meinung.

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Knirpse stapfen durch das frische Laub, Rentner füttern die Enten auf der Panke, Jogger und Radler drehen ihre Runden und zwei Halbwüchsige testen ihren Drachen „Marke Eigenbau“. Die Menschen kommen gern in den Bürgerpark Pankow, unweit des Rathauses, der Wollankstraße und der Grabbeallee gelegen. Lediglich die im Fünf-Minuten-Takt in Richtung Tegel vorbeifliegenden Flugzeuge stören die Idylle in dem schon vor 150 Jahren angelegten Areal. Doch deswegen lassen sich die Menschen ihr Vergnügen noch lange nicht nehmen. „Wir schauen kurz hoch, lesen die Aufschrift am Rumpf oder am Heck und dann ist es auch schon wieder vorbei“, sagt eine 67-Jährige. „Bald endet der Spuk ja für immer.“

So oder ähnlich reagieren die meisten Parkbesucher. Sie wollen den Lärm der in rund 1000 Meter Höhe fliegenden Maschinen nicht kleinreden und schütteln heftig den Kopf, wenn sie das Gespräch deswegen kurz unterbrechen müssen. Aber man lebe nun mal in einer Großstadt, heißt es allenthalben. Da würde von anderen Lärmquellen eine viel stärkere Belastung ausgehen. Die jetzt in den südlichen Stadtteilen und im angrenzenden Umland entbrannte Aufregung über die neuen Flugrouten interessiert im Norden kaum jemanden. „Die sprechen in Wannsee von 65 Dezibel und schimpfen heftig. Dabei donnern bei uns die Kesselwagengüterzüge mit 75 Dezibel durch die Wohngebiete“, sagt Roland Körner, der im Bürgerpark eine Zeitung liest.

Sein Nachbar steigt gleich ins Gespräch ein. „Schönefeld sollte die Berliner vom Fluglärm entlasten, jetzt haben die im Süden den Salat. Mit Sperenberg wäre das nicht passiert“, meint der Herr, der sich noch gut an das Hick-Hack um den früheren und einsam gelegenen russischen Flugplatz erinnern könne.

Nur ein paar Straßenzüge weiter, im Schlosspark Pankow oder in den Ortsteilen Heinersdorf und Blankenburg hört man kein Sterbenswort mehr vom Flugverkehr. Der Lärmkorridor ist offensichtlich ausgesprochen schmal. Nur bei Ostwind sei das anders, erzählen Anwohner. Da würden alle Maschinen in Richtung Osten starten und da sei der Krach schon sehr störend. Es fällt auf, dass sich die Menschen auch hier viel mehr an anderen Lärmmachern stören. Dazu gehören neben der Eisenbahn vor allem Lastwagen, die allein im Stand schon 90 Dezibel erzeugen. Auch der Autobahnzubringer A 114, auf dem die breiten Fugen der alten Betonplatten den Autoverkehr dröhnen lassen, erregt die Gemüter – anders als Flugzeuge sei die Autobahn eine ständige Belastung.

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