Flugrouten : Unruhe wegen Flügen über Kernreaktor

Nun mischt sich auch die Senatsumweltverwaltung in den Streit um die Luftkorridore ein: Sie fordert „vehement“ eine Änderung der geplanten Routen, weil die Maschinen auch den Forschungsreaktor im Wannseer Helmholtz-Zentrum überfliegen sollen.

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Angst vor der Düse. In Berlin und Brandenburg fürchten sich die Anwohner vor dem Lärm der startenden und landenen Maschinen.
Angst vor der Düse. In Berlin und Brandenburg fürchten sich die Anwohner vor dem Lärm der startenden und landenen Maschinen.Foto: dpa

Die Abflugrouten des künftigen Großflughafens BBI führen über den Forschungsreaktor im Wannseer Helmholtz-Zentrum. Das gab die deutsche Flugsicherung bekannt. Deshalb mischt sich nun auch die Senatsumweltverwaltung in den Streit um die Luftkorridore ein und fordert „vehement“ eine Änderung der geplanten Routen.

Für den Reaktor BER II besteht seit langem ein Sperrgebiet. Es verbietet im Umkreis von 1,48 Kilometern Flüge unterhalb von 670 Metern. Tatsächlich werden die Flugzeuge hier bereits eine Höhe von 3000 Metern haben, sagt DFS-Sprecher Axel Raab. Als der Flughafen Tempelhof noch in Betrieb war, ist der Reaktor bereits regelmäßig überflogen worden, sogar in geringeren Höhen. Doch handelte es sich um wenige Maschinen am Tag und vor allem kleinere Flugzeuge. Tempelhof kam im letzten vollen Betriebsjahr 2007 auf 35 300 Starts und Landungen. In Schönefeld und Tegel, deren Verkehre ab Mitte 2012 am Flughafen BBI gebündelt werden, waren es 2009 bereits fast 232 000.

Protest gegen Flugrouten über Berlin und Brandenburg
Lautstark. Beim Thema Flugrouten haben viele Bürger bewiesen, dass sie mitreden wollen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 93Foto: dapd
13.01.2012 21:01Lautstark. Beim Thema Flugrouten haben viele Bürger bewiesen, dass sie mitreden wollen.

Die höhere Zahl der Flüge mit wesentlich größeren Maschinen erfordere eine neue Risikobewertung, sagt der Sprecher des Helmholz-Zentrums, Hannes Schlender. Man sei im intensiven Gespräch mit den zuständigen Behörden. Auch wenn die geplanten Strecken über der Sperrzone lägen, wären gar keine Überflüge die bessere Alternative, sagt Schlender.

Schon die Lärmbelästigung sei ein Problem, doch die Sicherheit stehe an erster Stelle, sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung, Regina Kneiding. Das Risiko für den Reaktor dürfe nicht steigen. Deshalb werde man nicht nur in der Fluglärmkommission, sondern auch beim Bundesaufsichtsamt für die Flugsicherung aktiv.

Mit nur rund sechs Kilo Uran als Kernbrennstoff ist BER II im Vergleich zu Kernkraftwerken wie Brokdorf (103 Tonnen) winzig. Dafür hat der Forschungsreaktor auch keine dicke Betonhülle, die ihn vor Flugzeugabstürzen schützt. Als so genannter Schwimmbadreaktor befindet er sich unter einem normalen Hallendach in einem elf Meter tiefen Wasserbecken. Schutz bieten die zwei Meter dicken Seitenwände aus Spezialbeton. Der größte anzunehmende Unfall sei, dass ein sehr großes Flugzeug im rechten Winkel senkrecht in den Reaktor stürzt. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei aber extrem gering.

Dann könnte der Reaktorkern beschädigt werden und sein radioaktiver Inhalt in die Umwelt gelangen. Der Katastrophenplan sieht bei einem Unfall drei Sicherheitszonen in einem Umkreis von bis zu acht Kilometern vor. In diesem Bereich werden die Häuser je nach Lage evakuiert oder die Anwohner zum Verbleib in ihren Häusern aufgefordert und mit Jodtabletten versorgt.

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