Flugroutenstreit : Die Kanzlerin auf Kurs gebracht

Im Flugroutenstreit wird viel öffentlich diskutiert und demonstriert, der Kurs wird aber auch hinter den Kulissen festgelegt.

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Berlin So war es kein Zufall, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Landesparteitag der Berliner CDU im Februar mitgemischt und eine Rückkehr zu den im Planfeststellungsbeschluss eingezeichneten Flugrouten mit den Geradeausstrecken gefordert hat. Strippenzieher war der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann aus Steglitz-Zehlendorf, wie er dem Tagesspiegel jetzt bestätigte.

Nachdem die Flugsicherung im September ihre Pläne vorgelegt hatte, nach denen ganz andere Gebiete als bisher öffentlich bekannt überflogen werden sollten, hatte Wellmann zunächst mit Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gesprochen, dem die Flugsicherung unterstellt ist. Ramsauer habe sofort Verständnis dafür gezeigt, dass die nun betroffenen Anwohner sich getäuscht sahen. Bei einem Treffen seines Staatssekretärs Klaus-Dieter Scheurle mit Vertretern von Bürgerinitiativen sei unangemeldet auch Ramsauer erschienen, um die Argumente anzuhören. Wenig später forderte der Minister öffentlich die Rückkehr zu den alten Routen.

Auf einem gemeinsamen Flug sagte Wellmann dann zu Merkel, wie gut Ramsauer bei den Menschen, die sich gegen die neuen Routen wehrten, angekommen sei. Auch die Kanzlerin habe ihm erklärt, dass sie Ramsauer unterstütze. Auf die Frage Wellmanns, ob sie dies auch öffentlich mache, habe Merkel Ja gesagt. Wellmann schrieb ihr ein paar Argumente auf, und wenig später kam die Ankündigung der Kanzlerin, sie werde auf dem Landesparteitag der CDU auch ein paar Takte zu den Flugrouten sagen, was sie dann auch machte und viele, auch außerhalb der CDU, damit überraschte.

Nur Wellmann nicht. Freuen wolle er sich allerdings erst, wenn alles überstanden sei, sagte er.

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