Berlin : Flugsicherheit: Kontrollen in Tegel und Tempelhof verschärft

Jörn Hasselmann

Die Sicherheit in Tegel und Tempelhof ist nach den Terrorattentaten in den USA deutlich verschärft worden. Auf beiden Flughäfen wurde die Alarmbereitschaft erhöht, zusätzliche Polizisten werden eingesetzt. "Wir haben die Sicherheit deutlich hochgefahren und die Kontrollen verschärft", sagte Justizsenator Wolfgang Wieland (Grüne) gestern dem Tagesspiegel. Zuvor hatte sich Wieland mit Innensenator Körting über die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen verständigt. Vermutlich schon am heutigen Freitag wollen sich die beiden Senatoren mit Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm treffen, um auch über die Situation in Schönefeld zu beraten. Wieland betonte, dass für die Sicherheit in der Luft die Zugangskontrolle äußerste Priorität habe - und nicht ein Umbau der Maschinen an sich.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Derzeit sind für die Personenkontrollen auf den Flughäfen Tegel und Tempelhof private Firmen zuständig. Für Tempelhof hat das Innenministerium einen Vertrag mit dem Deutschen Schutz- und Wachdienst (DSW) geschlossen, in Tegel mit der Securitas. Diese Firma war 1997, wenige Tage nachdem sie die Aufgabe übernommen hatte, in die Schlagzeilen geraten. Am 7. Januar 1997 hatte ein 39-Jähriger eine von Tegel nach Wien fliegende Passagiermaschine entführt. Der Mann hatte vorher zwei Knüppel und ein Messer durch die Kontrollen der privaten Firma geschmuggelt und damit den Piloten bedroht. Der verwirrte und angetrunkene Mann forderte eine Kursänderung nach Amerika. Er konnte später von einem Spezialeinsatzkommando nach der Rückkehr nach Tegel überwältigt werden.

Damals hatten die Sicherheitsexperten der CDU und der Grünen, Dieter Hapel und Wolfgang Wieland, gefordert, die Securitas abzulösen. Beamte des Bundesgrenzschutz hatten ein Handgranaten-Imitat, eine Pistole und ein Messer an Bord eines Flugzeugs geschleust. Solche Tests durch Experten des BGS finden regelmäßig statt. Die Firma hatte die Vorwürfe damals zurückgewiesen. Nach einer Untersuchung der Pannen durch das Innenministerium hatte der BGS die Securitas-Kontrolleure "nachgeschult". Wolfgang Wieland sagte gestern, dass es seit diesem Vorfall keine derartigen Vorkommnisse mehr gegeben habe; die Firma Securitas habe sich eindeutig bewährt. Das Innenministerium hat den Vertrag mit Securitas in diesem Sommer um 5 Jahre verlängert.

Die privaten Unternehmen haben im vergangenen Jahr mehr als 30 000 so genannte gefährliche Gegenstände sichergestellt, 22 177 in Tegel und 11 736 in Schönefeld. In den allermeisten Fällen waren es jedoch "nur" Feuerzeuge, Wunderkerzen oder Attrappen. So kommen auch die hohen Zahlen zustande. Größere Mengen Feuerzeuge zum Beispiel sind verboten: Die 100 deutschen Plastikfeuerzeuge, die ein russischer Tourist ohne böse Absichten in die Heimat bringen will, sind für den BGS 100 gefährliche Gegenstände. Die Zahl der Messer und Schusswaffen ist gering, sie werden meist ohne kriminellen Hintergrund mitgebracht.

Auf allen drei Flughäfen ist der BGS für die Passkontrolle und das teilweise nur stichprobenartige Durchleuchten der Koffer zuständig. In Schönefeld und Tempelhof wird schon heute die ab 2002 geltende Bestimmung erfüllt, dass alle Gepäckstücke durchleuchtet werden. In Tegel sind es Stichproben. Wie viel Prozent, und nach welchen Kriterien, wollte das Bundesinnenministerium aus Sicherheitsgründen nicht mitteilen.

Noch eine dritte Partei ist auf den Airports für die Sicherheit zuständig: Eine Tochter der Flughafenholding, die "Globe & Ground", befördert die durchleuchteten Koffer in die Flugzeuge.

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