Flugverbot : Berlin verliert täglich zwei Millionen Euro

Die Tourismus-Branche beklagt die Folgen des Flugverbots. Wann der normale Flugverkehr wieder aufgenommen werden kann, ist weiterhin unklar. Bei Öffnung der Airports darf nachts gestartet werden.

Leere in Tegel. Geschlossene Läden, einsame Passagiere. Der Flughafen lief auch am Montag auf Stand-by.
Leere in Tegel. Geschlossene Läden, einsame Passagiere. Der Flughafen lief auch am Montag auf Stand-by.Foto: Engler

Die Berliner Tourismus Marketing (BTM) sieht die Stadt als Opfer des Flugverbots. Geschätzte zwei Millionen Euro gingen der Stadt täglich verloren, weil Reisende ausbleiben. „Wir fordern, dass die Fakten auf den Tisch kommen oder das Flugverbot aufgehoben wird“, sagt BTM-Sprecher Burkhard Kieker. Normalerweise kämen zu dieser Jahreszeit täglich rund 10 000 Besucher mit dem Flugzeug in die Stadt. „Am Wochenende war das alles noch lustig“, sagt Kieker. Viele Leute seien länger geblieben; Stornierungen und Verlängerungen hätten sich die Waage gehalten. Nun aber überwiegen die Stornierungen deutlich, Fünf-Sterne-Hotels berichten von einem Rückgang um 40 Prozent. „Die Leute wollen einfach nur irgendwie wegkommen“, sagt Kieker.

Wann sie das auch von Tegel und Schönefeld aus wieder können, ist derzeit noch ungewiss. Am Nachmittag teilte Flughafensprecher Ralf Kunkel mit, dass Maschinen der Lufthansa und Air Berlin von der Deutschen Flugsicherung die Genehmigung erteilt wurde, auf eigene Verantwortung mit Passagieren an Bord abheben zu dürfen. Allerdings nur soweit sie auf kontrolliertem Sichtflug bleiben, wobei die Maschinen bei klarem Himmel auf bis zu 8000 Meter steigen können. Den Boden dürfen sie aber nicht aus den Augen verlieren. Diese Sondergenehmigung werden die Fluggesellschaften jedoch lediglich nutzen, um gestrandete Passagiere aus dem Ausland zurückzuholen. Es sei aber auch möglich, ab Frankfurt und München einzelne innerdeutsche und europäische Flüge durchzuführen, sagte Lufthansa-Sprecherin Amelie Schwierholz. Darunter befanden sich gestern auch vier Hin- und Rückflüge zwischen Tegel und Frankfurt am Main, München, Düsseldorf sowie Köln/Bonn. Die Air Berlin teilte mit, zunächst 21 Rückholflüge zwischen Palma de Mallorca und den deutschen Flughäfen durchzuführen. Dazu gehörten gestern drei Flüge von Tegel nach Mallorca und zurück. Ferner startete ebenfalls gestern ein Langstreckenflug von Tegel nach Bangkok, dazu gab es einige innerdeutsche Flüge. Von normalem Flugbetrieb war all das weit entfernt.

Wann der normale Flugverkehr wieder aufgenommen werden kann, ist weiterhin unklar. Sicher ist aber, dass in Tegel dann auch nachts geflogen werden darf. Diese Grundsatzentscheidung hat Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer (SPD) schon jetzt getroffen. Jeder Flug in der eigentlich vorgesehenen Ruhezeit müsse aber extra beantragt und genehmigt werden, sagte die Sprecherin der Verwaltung, Petra Rohland. Ob dann die ganze Nacht geflogen werde, hinge von den Umständen ab.

Die Fluggesellschaften bräuchten fast einen halben Tag Vorbereitung, bevor die erste Maschine mit Passagieren wieder abheben könne, sagte Lufthansasprecher Wolfgang Weber. Kurzzeitige Freigaben des Luftraums wie am Sonntag nutzten niemandem. Solche Regelungen seien „ein schlechter Witz“. Dennoch will die Flugsicherung den Luftraum weiter auch kurzfristig und kurzzeitig freigeben, wenn dies die Wetterlage zulasse, sagte der Berliner Sprecher der Flugsicherung, Stefan Jaekel. Die Fluggesellschaften könnten die Zeit nutzen, um Maschinen umzustationieren. Vier solche Flüge hatte es in Berlin am Sonntag gegeben. Passagiere sollten sich zurzeit grundsätzlich bei ihrer Fluggesellschaft informieren, ehe sie zum Flughafen kommen, rät Jaekel.

Große Sorgen macht man sich bei der Berlin Tourismus Marketing vor allem wegen des heute beginnenden 127. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, zu dem 800 Referenten und 6000 Besucher erwartet werden. Einen Tag vor Beginn des Kongresses hatten die Veranstalter allerdings nur wenige Absagen erreicht. Lediglich 15 der 800 Referenten könnten nicht kommen, sagte eine Sprecherin. Die vorwiegend deutschsprachigen Gäste könnten auch auf andere Weise anreisen. Das Gleiche gelte prinzipiell auch für die 6000 erwarteten Besucher. Gleichzeitig findet auf dem Messegelände die ConhIT statt, ein Kongress für IT im Gesundheitsbereich. Auch dort hofft man, dass die erwarteten 4000 Besucher sich nicht von den längeren Reisezeiten mit Bus und Bahn abschrecken lassen. Die meisten kämen auch hier aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

„Berlin hat gerade Glück im Unglück“, sagt BTM-Sprecher Kieker. Schließlich finden in Berlin auch internationale Kongresse mit 20 000 Teilnehmern aus der ganzen Welt statt. In den nächsten Wochen sind auf dem Messegelände keine größeren Veranstaltungen geplant. Auch das Berliner Congress Centrum erwartet kaum Beeinträchtigungen. Am kommenden Montag findet im Veranstaltungshaus am Alexanderplatz eine Jobbörse statt. Von den 300 angemeldeten Teilnehmern werden nur wenige fehlen, sagt Geschäftsbereichsleiter Oliver Höppner. Auch die für Donnerstag und Freitag geplante Dienstleistungstagung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung soll wie geplant stattfinden, da die 500 Teilnehmer fast alle aus dem Inland kämen.

Für Fluggäste, die in Berlin gestrandet sind, bieten die Holmes Place Health Clubs die gesamte Woche lang einen Gratisentspannungstag an. Gegen Vorlage eines gültigen Flugscheins erhalten Fluggäste seit gestern bis zum 26. April kostenlosen Zugang zum Wellnessbereich. Filialen gibt es in Berlin am Gendarmenmarkt, am Ostkreuz und am Hermannplatz (mehr Infos unter: www.holmesplace.de). amy, du-, kt, mho

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