Berlin : Flugverkehr: In den Osterferien drohen Staus auf den Luftstraßen

Rainer W. During

Flugreisende sollten ab dem 19. April "die eine oder andere Stulle mit an Bord nehmen", rät Roland Lange. Als Senior-Wachleiter ist er verantwortlich für die Verkehrsfluss-Steuerung in der Berliner Kontrollzentrale der Deutschen Flugsicherung (DSF). Weil es künftig am Himmel schneller gehen soll, wird alles zunächst einmal langsamer. Wegen der Umstellung auf eine neue Luftraumstruktur ist in der Übergangsphase ausgerechnet in den Osterferien mit Staus auf den Luftstraßen zu rechnen. Es sind nicht nur mehr Flieger unterwegs, Berlin-Passagiere müssen auch mit längeren Wartezeiten am Boden rechnen. Bis zum Monatsende, so hofft Lange, kann man zu "normalen Bedingungen" zurückkehren.

"Wir machen aus Landstraßen Autobahnen", beschreibt DFS-Projektleiter Jürgen Ruppert die Änderung. Bis Ende nächsten Jahres soll die Umgestaltung europaweit abgeschlossen sein. Bisher kreuzten sich die Flugrouten über am Boden installierten Funkfeuern. Die moderne Satellitennavigation erlaubt eine Entzerrung durch direkte Routenführungen. Wurde bisher höhenversetzt im Gegenverkehr geflogen, gibt es künftig parallele Einbahnstraßen. Gleichzeitig werden die An- und Abflüge vom Durchgangsverkehr getrennt. Simulationen haben gezeigt, dass die Kapazität so um mehr als 50 Prozent gesteigert werden kann - und das bei nur geringfügiger Mehrbelastung der Fluglotsen.

Die von Berlin aus kontrollierte Zone wird jetzt durch den zusätzlichen Luftraum "BERLI" bis nach Nürnberg erweitert. Aus Sicherheitsgründen wird die Kapazität hier zunächst auf 26 Durchflüge pro Stunde begrenzt. Betroffen sind auch Berlin-Flüge von und nach München sowie besonders in den südwesteuropäischen Raum. Zeitgleich reduzieren die Briten wegen einer Änderung der Höhenstruktur ihre Luftraumkapazität um 10 bis 15 Prozent. Und Frankreich lässt wegen einer Militärübung vom 23. bis 27. April nur zwei Drittel der üblichen Zahl von Maschinen durch. Dazu kommt das zusätzliche Flugaufkommen während der Hannover-Messe.

"Für Passagiere und Besatzungen wird es erforderlich sein, Geduld zu haben", sagt Roland Lange. Geschäftliche Termine oder Anschlussflüge sollten "nicht zu eng" geplant werden.

In Berlin selbst ändern sich die Luftstraßen erst, wenn im nächsten Jahr auch der Himmel über der Nordhälfte Ostdeutschlands neue gegliedert wird. Dann gibt es für Schönefeld, Tegel und Tempelhof auch neue An- und Abflugrouten.

Dort, wo die Maschinen am niedrigsten fliegen, bleibt aber auch dann alles beim Alten. Auf den letzten Kilometern vor der Landung oder nach dem Start wird immer geradeaus geflogen.

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