Berlin : Flugzeug über Atomreaktor: Terrorverdacht bestätigt

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In Berlin hat es offenbar konkrete Vorbereitungen für einen Anschlag gegen den Atom-Reaktor des Hahn-Meitner-Instituts in Zehlendorf gegeben. Nach Informationen des Tagesspiegels kreiste im Oktober 2001 an mindestens zwei Tagen jeweils ein Kleinflugzeug über dem Forschungsinstitut. Die damals eingeleiteten Ermittlungen der Bundesanwaltschaft führten nun offenbar zu der bundesweiten Razzia gegen die islamistisch-extremistische Gruppe „Al-Tawhid“.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bestätigte die Flüge. Der Direktor des Berliner Landeskriminalamtes (LKA), Peter-Michael Haeberer, war unter Hinweis auf den zuständigen Generalbundesanwalt zu weiteren Auskünften nicht bereit. Nach vorliegenden Informationen flog ein Sportflugzeug am 6. Oktober 2001 mehrmals über dem Hahn-Meitner-Institut (HMI) für Kernforschung in Wannsee. Am 18. Oktober 2001 kreiste erneut ein kleines Cessna-Flugzeug eine Dreiviertelstunde lang über dem HMI. Eingeleitete Ermittlungen sollen ergeben haben, dass es sich bei den Insassen des zweiten Fluges um einen deutschen Piloten und einen arabischstämmigen Mann handelte. Nach Tagesspiegel-Informationen sei es bei dem Flug angeblich darum gegangen, Golfplätze zu fotografieren. Die Recherchen hätten jedoch keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund ergeben, sagt Körting.

Auffällig dabei ist allerdings, dass die Ermittlungen seinerzeit unter dem Titel „Abu Ali“ geführt wurden. „Abu Ali“ lautet auch der Deck des am Dienstag in Essen festgenommenen 36-jährigen Palästinensers Yaser H. Er gilt als Kopf der in Deutschland operierenden Zelle von „Al Tawhid“. Ebenfalls ungewöhnlich erscheint, dass Generalbundesanwalt Kay Nehm bereits einen Tag nach dem Flug der Cessna über dem Berliner HMI gegen Yaser H. alias „Abu Ali“ ein Ermittlungsverfahren nach Paragraf 129a des Strafgesetzbuches (Bildung einer terroristischen Vereinigung) beantragt haben soll. Nähere Auskünfte hierzu sind aus Karlsruhe nicht zu erhalten. Diese Ermittlungen führten dann offenbar zu den bundesweiten Festnahmen und Durchsuchungen vom Dienstag. In Berlin wurden dabei in der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg die Arbeitsstätte sowie in der Rheinsberger Straße in Mitte die Wohnung eines Verdächtigen durchsucht. DieSicherheitsbehörden haben 60 mutmaßliche Anhänger und Mitglieder islamistisch-extremistischer Organisationen in einer „Liste potenzieller Gefährder“ zusammengetragen. Diese soll bereits im Herbst 2001 an das Bundeskriminalamt übergeben worden sein. Etwa zwei Drittel der darin Aufgeführten ordnen die Behörden als Anhänger der palästinensischen Hamas ein. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes werden der Hamas in Berlin rund 50 Personen zugerechnet. Drei weitere Araber werden auf der „Gefährderliste“ als Gefolgsleute des Al-Qaida-Führers Osama Bin Laden eingestuft. OD

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