Flugzeugabsturz : Frau des Piloten wurde erschlagen

Die Leiche im Kohlenkeller des vor dem Reichstag abgestürzten Piloten aus Erkner wurde als Ehefrau des 39-Jährigen identifiziert. Nun ermittelt die Polizei wegen Totschlags.

Erkner/Berlin/Potsdam (26.07.2005, 15:52 Uhr) - Die Staatsanwaltschaft hat bislang noch keinen eindeutigen Beweis, dass der Hobbypilot Volker K. seine Frau umgebracht hat. Die daheim in Erkner bei Berlin aus einem Kohlenkeller tot geborgene 36-Jährige wurde am Dienstag zweifelsfrei identifiziert. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden fehlt aber noch ein sicherer Beleg für die Schuld K.s, der sich am vergangenen Freitag vor dem Berliner Reichstagsgebäude in den Tod gestürzt hatte. Das Brandenburger Verkehrsministerium rief indessen zu erhöhter Aufmerksamkeit auf allen kleineren Flugplätzen auf.

Die Leiche war am Dienstagmorgen von Gerichtsmedizinern in Potsdam als die vermisste Ehefrau des 39-jährigen Piloten identifiziert worden. Die Ergebnisse toxikologischer Untersuchungen zu dem Piloten lagen nach Auskunft der Berliner Staatsanwaltschaft aber noch nicht vor. Erst in einigen Tagen dürfte klar sein, ob K. bei seinem Absturz unter Drogeneinfluss stand.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) sagte, es werde wegen des Verdachts des Totschlags gegen unbekannt ermittelt. Todeszeitpunkt sei vergangener Mittwoch oder früher gewesen, Todesursache stumpfe Gewalteinwirkung auf den Schädel.

In einem Schreiben des Landesamtes für Bauen und Verkehr wurden die Verantwortlichen von Flugplätzen in Brandenburg auf eine nicht nachlassende Bedrohung durch den internationalen Terrorismus hingewiesen, wie ein Sprecher des Brandenburger Verkehrsministeriums sagte. Die Behörde reagierte damit auf Mahnungen Berlins und des Bundesverkehrsministeriums, eine Kontrolle über die Landeplätze in Brandenburg sicherzustellen.

«Man muss wissen, wer in der Luft ist. Und das Fluggerät auf den Flugplätzen muss so gesichert sein, dass nicht jeder an die Maschinen herankommt», sagte der Sprecher der Berliner Innenverwaltung, Bernhard Schodrowski. «Das heißt, die Landeplätze in Brandenburg müssen richtig unter Kontrolle sein.» Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) wies darauf hin, dass diese überwacht würden. «Die Luftraumsicherung über Brandenburg entspricht dem Standard für Flächenstaaten», sagte Schönbohm der dpa. Es gebe eine enge Zusammenarbeit zwischen den Landeplätzen und der Polizei.

In dem Schreiben des Brandenburger Landesamtes hieß es, bei «jedweden Verdachtsmomenten» solle von einer Vermietung von Maschinen Abstand genommen werden. Flugzeugmieter und Fluggäste sollen sich demnach immer ausweisen und «alle mitgeführten Gegenstände offenbaren». Außerdem sollte darauf geachtet werden, «dass Flugzeughallen und -hangars verschlossen und Luftfahrzeuge gegen unbefugte Benutzung gesichert sind.»

Auf dem Grundstück des Piloten in Erkner (Oder-Spree) war am Montag die Leiche seiner Frau geborgen worden. Die 36-Jährige war seit einer Woche vermisst worden. Kurz vor dem Absturz hatte sich K. bei einer Vernehmung zu seiner Frau in Widersprüche verstrickt. Nach unbestätigten Presseberichten soll die Frau vor ihrem Verschwinden die Scheidung eingereicht haben. Das Paar hinterlässt eine zehnjährige Tochter und einen 14-jährigen Sohn.

Die Leiche der Frau war in Folie gewickelt und lag unter mehreren Zentnern Kohle in einem Keller. K. war am Freitag mit seinem Sohn vom Flugplatz Eggersdorf bei Müncheberg mit seinem roten Doppeldecker vom Typ «Kiebitz» gestartet. Nach einem Rundflug mit dem Ultraleichtflugzeug setzte er den Jungen in Strausberg ab. Danach flog er nach Berlin weiter, wo er vor dem Reichstagsgebäude abstürzte. (tso)

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