Berlin : Flugzeugunglück in Neukölln: Klärung der Absturzursache wird schwierig

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Der am Himmelfahrtstag bei dem Flugzeugabsturz in Neukölln gemeinsam mit seiner Frau Gisela ums Leben gekommene Dr. Peter Runge galt nicht nur als ein geübter, sondern auch als ein äußerst gewissenhafter Pilot. Kollegen des verunglückten Wirtschaftsprüfers und Steuerexperten beschreiben ihn als überlegten Flieger: "Wenn der gewissenhafte Dr. Runge mit einer einmotorigen Maschine abstürzt, dann ist dies ein Zeichen, dass einmotorige Maschinen für Tempelhof ein Sicherheitsrisiko bedeuten", sagte Marlene Großkreutz.

Sie ist Präsidentin des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg und kannte Runge gut. Dieser hatte zahlreiche Ämter inne. Unter anderem war er Vorsitzender des Steuerrechtsausschusses im Deutschen Steuerberaterverband und Präsident des Verbandes der Freien Berufe Berlin. Runge galt als Experte in Erbschaftsrecht, hielt viele Seminare und schrieb auch regelmäßig im Tagesspiegel auf der Seite "Recht und Steuern". Zuletzt hatte Runge die Leser am 18. Mai über Neuerungen bei der Steuererklärung informiert. Er hielt aber auch zahlreiche Seminare für Tagesspiegelleser unter anderem zum Thema Immobilien ab.

Vermutlich waren der 56-jährige Runge und seine ein Jahr jüngere Frau am Mittwoch nicht zum Privatvergnügen nach Heringsdorf auf Usedom geflogen, sondern wegen eines Vortrages. Auf dem Rückflug am Donnerstagnachmittag ereignete sich das Unglück während des Landeanfluges auf den nur wenige Hundert Meter von der Absturzstelle entfernten Flughafen Tempelhof. Seine Frau, die in seinem Spandauer Büro mitarbeitete, habe ihren Mann häufig zu Vorträgen und Seminaren begleitet, um ebenfalls über die Neuerungen im Steuerrecht informiert zu sein, sagte Marlene Großkreutz.

Vor rund zehn Jahren machte Runge seinen Pilotenschein und kaufte sich dann mit mehreren anderen die Unglücksmaschine, eine einmotoriges Flugzeug vom Typ "Beechcraft Bonanza B36TC". Damit wollte er Zeit sparen und schneller zu seinen Terminen, Seminar- und Vortragsorten reisen. Über die Unglücksursache ist bisher nichts weiter bekannt geworden. Unmittelbar vor dem Absturz hatte Runge dem Tower in Tempelhof von Motorproblemen unterrichtet. Marlene Großkreutz hält einen Pilotenfehler für unwahrscheinlich. Alle, die mit Peter Runge geflogen waren, hätten seine umsichtige, bedächtige und verantwortungsbewusste Art gelobt, sagte sie.

Für die Spezialisten der Flugunfalluntersuchungsstelle wird es sicher schwierig, aus den zahllosen Trümmern Rückschlüsse auf die Fehlerquelle, die zum Absturz führte, zu ziehen. Maschinen dieser Größenordnung brauchen weder einen Voice-Recorder, der die Gespräche an Bord aufzeichnet noch einen Flugdatenschreiber, der die wichtigsten Daten des Flugverlaufs wie Triebwerksleistung, Geschwindigkeit, Flughöhe notiert. Diese sind erst für größere und gewerblich genutzte Maschinen vorgeschrieben.

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